Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin
und Internationale Gesundheit e.V.
 

Personen mit langen oder häufigen Tropenaufenthalten

Eine ausführliche und individuelle tropenmedizinische Beratung, bei der u.a. das zu erwartende Malariarisiko nach Tätigkeit, Region, Jahreszeit, Vorerkrankungen, Lebensalter, Resistenz der Erreger und Verträglichkeit der Expositionsprophylaxe sowie der möglichen Medikamente beurteilt und eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen wird, ist für alle u.a. Gruppen unbedingt erforderlich. Diese Beratung sollte ausschließlich durch Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Tropenmedizin oder Kollegen mit gleichwertigen Erfahrungen in den Tropen erfolgen. Anhand der mit der Reise verbundenen Absichten, Aufenthaltsorte und Tätigkeiten und damit einhergehendem Malariarisiko lassen sich folgende Personengruppen mit längeren Tropenaufenthalten unterscheiden:

Besondere Personengruppen

Schwangere
Kinder
Auslandsmitarbeiter
Reisende mit Vorerkrankungen
Wechselwirkungen mit Malariamedikamenten

Medikamente bei besonderen Personengruppen

Im Einzelnen ergibt sich für die verschiedenen Medikamente:

  • Atovaquon/Proguanil ist zur Langzeiteinnahme geeignet. Studien und Postmarketing Surveillance-Daten zeigen, dass eine Einnahmedauer von bis zu 6 Monaten und mehr sicher ist.
  • Doxycyclin wurde insbesondere in der Therapie der Akne und der Q-Fieber-Endokarditis über Monate bis Jahre eingesetzt. Die Erfahrungen in der Malarialangzeitprophylaxe sind beschränkt.
  • Mefloquin zeigt bei längerer Einnahme keine Akkumulation und gute Verträglichkeit, eine Anwendung über sechs Monate ist möglich (augenärztliche Kontrolluntersuchungen sowie Leberwertkontrollen (s.www.lariam.de) bei längerer Einnahme sind empfohlen).

Im Falle einer Langzeitanwendung der o.g. Prophylaktika sind regelmäßige Laborkontrollen entsprechend dem Nebenwirkungsprofil der Medikamente sowie den individuellen, patientenspezifischen Risikofaktoren sinnvoll. Diese sollten vom behandelnden Arzt vor Ausreise mit dem Patienten besprechen werden. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass mit Mefloquin sehr viel mehr Erfahrungen in der Langzeitanwendung vorliegen als mit Doxycyclin und Atovaquon/Proguanil.

Ein Aufenthalt von Kindern unter 5 Jahren und vor allem von Schwangeren in Malariagebieten ist aufgrund ihrer höheren Gefährdung nicht zu empfehlen. Dies ist aber in diesem Kontext nicht immer vermeidbar. Bei in Malariagebieten neu eingetretener Schwangerschaft sollte unbedingt umgehend eine individuelle Beratung durch einen erfahrenen Tropenmediziner erfolgen.

Bei der Beratung ist besonders zu betonen:

  • In Gebieten mit hohem Malariarisiko ist eine Chemoprophylaxe (P)mindestens zu Beginn des Einsatzes und während der Hauptübertragungszeiten und bei Reisen mit eingeschränktem Moskitoschutz zu empfehlen.
  • Die Verfügbarkeit von Medikamenten zur notfallmäßigen Selbstbehandlung (T) stellt neben einer guten Expositionsprophylaxe das absolute Minimum einer Malariavorsorge dar.

Die Auswahl der Medikamente sollte entsprechend länderspezifischen DTG-Empfehlungen erfolgen. Es kommen nur Präparate in Frage, deren Anwendung über längere Zeit oder mehrfach im Jahr keine wesentlichen Nebenwirkungen hervorrufen und zugleich eine angemessene Schutz- bzw. Therapiewirkung im Falle einer notfallmäßigen Selbstbehandlung erwarten lassen. Die Anwendungsbeschränkungen für Kinder und Schwangere sind zu beachten. Bei Beschaffung von Medikamenten im Ausland ist wegen der vielen Plagiate auf dem Markt größte Vorsicht angebracht.

In Gebieten mit hohem Malariarisiko

DTG-Empfehlung P (Prophylaxe)

Schwangeren und Kindern unter 5 Jahren vom Aufenthalt abraten, wenn doch, folgende Maßnahmen:

Bei schlechter medizinschen Versorgung

 

  Erwachsene Kinder Schwangere
 Standardvorsorge  Kontinuierliche P Kontinuierliche P Kontinuierliche P
plus ergänzende T
 Mindestvorsorge  P nach Ersteinreise 3 Monate und während Hauptübertragungzeit- sonst T Kontinuierliche P Kontinuierliche P plus ergänzende T

Bei guter medizinischer Versorgung

  Erwachsene Kinder Schwangere
 Standardvorsorge  P nach Ersteinreise 3 Monate und während Hauptübertragungszeit - sonst T Kontinuierliche P Kontinuierliche P
Mindestvorsorge T P nach Ersteinreise 3 Monate und während Hauptübertragungszeit - sonst T Kontinuierliche P

In Gebieten mit niedrigem Malariarisiko

DTG-Empfehlung T (Standby-Therapie)

Bei Schlecher medizinischer Versorgung

   Erwachsene   Kinder  Schwangere

 Standardvorsorge 

T P nach Ersteinreise 3 Monate und während Hauptübertragungszeit - sonst T  Kontinuierliche  P
 Mindestvorsorge T T  Kontinuierliche P

Bei guter Medizinischer Versorgung

 

  Erwachsene Kinder Schwangere
 Standardvorsorge  T T P nach Ersteinreise und während Hauptübertragungszeit erwägen, sonst T
Mindestvorsorge T T P nach Ersteinreise und während Hauptübertragungszeit erwägen, sonst T

Langzeit-Reisende, die länger als vier Wochen in Malariagebieten unterwegs sind (z.B. Rucksacktouristen, Weltreisende, beruflich Reisende)

Diese Gruppe kennzeichnet: Sie bleiben Reisende und halten sich an wechselnden Standorten mit oft hohem Expositionsrisiko auf (abends häufig Aufenthalt im Freien, moskito-unsichere Unterkunft). Sie haben oft keinen Zugang zu Informationen über die lokale Malariasituation und medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Nach Darstellung der Schwierigkeiten einer Malariadiagnostik und -behandlung in entlegenen Gebieten und der Unannehmlichkeit der Reiseunterbrechung sind Langzeit-Reisende dieser Gruppe oft für eine Chemoprophylaxe zugänglich.

Empfehlung:

Malariaprophylaxe entsprechend länderspezifischen DTG-Empfehlungen.

Migranten aus Malariagebieten und deren Kinder, die in Deutschland leben, hier ggf. geboren sind und die sporadisch für einige Monate in ihr Heimatland, resp. das Heimatland eines oder beider Elternteile fahren

Besucht werden vertraute, oft ländliche Gebiete. Die reale Infektionsgefährdung wird nicht wahrgenommen. Selten ist bekannt, dass die in der Kindheit erworbene Teilimmunität durch Aufenthalte in Europa verschwindet. Zudem wird übersehen, dass die in Deutschland geborenen Kinder keine Teilimmunität erwerben konnten, so dass sie besonders gefährdet sind, an einer Malaria zu erkranken. Die Möglichkeit einer Chemoprophylaxe ist meist unbekannt, da eine reisemedizinische Beratung selten beansprucht wird, zumal geplante Verwandtenbesuche den behandelnden Ärzten nicht immer mitgeteilt werden.

Empfehlung:

Malariaprophylaxe entsprechend länderspezifischen DTG-Empfehlungen.

Reisende mit häufigen, kurzen Reisen in Malariagebiete

Diese Personen sind als "Kurzzeitreisende" zu betrachten, auch wenn sie kumulativ längere Zeit pro Jahr exponiert sind. Sie verfügen über wenig Kenntnisse der lokalen Gesundheitsstrukturen und sind den Gegebenheiten in den Gastländern ausgesetzt wie andere Kurzzeitreisende auch.

Empfehlung:

Malariaprophylaxe entsprechend länderspezifischen DTG-Empfehlungen.

 

Medikamentöse Vorbeugung (Chemoprophylaxe)

Eine regelmäßige Chemoprophylaxe ist bei Reisen in Malariagebiete mit hohem Übertragungspotential (insbesondere Subsahara-Afrika, wenige Gebiete Ozeaniens und Südamerikas) grundsätzlich empfehlenswert und kann das Erkrankungsrisiko wesentlich reduzieren. Wenn in Gebieten mit geringem oder minimalem Malariarisiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, kann die therapeutische Dosis eines Medikaments mitgeführt werden. Dieses Medikament soll dann bei malariaverdächtigen Symptomen und nicht zeitnah erreichbarer und/oder verlässlicher ärztlicher Hilfe eingenommen werden ("notfallmäßige Selbstbehandlung"). Dies sollte jedoch nur eine Notfallmaßnahme bis zum Erreichen effektiver ärztlicher Hilfe darstellen. Die konkrete Empfehlung über die Art der Malariaprophylaxe muss anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer, des Reisestils und unter Berücksichtigung individueller Gegenanzeigen vom Tropen- und/oder Reisemediziner getroffen werden.

 

Impfungen

Empfehlungen zu Reiseimpfungen

Impfungen gehören zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen in der Medizin. Das gilt besonders auch für Auslandsreisende, die im Vergleich zum Aufenthalt in Deutsch- land möglicherweise zusätzlichen Infektionsrisiken bei gleichzeitig unzureichender medizinischer Versorgung im Erkrankungsfall ausgesetzt sind.

impfung

Die folgenden Empfehlungen sollen über „Reiseimpfungen“ orientieren und die Position der DTG als Fachgesellschaft skizzieren. Grundlage sind die jährlich aktualisierten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), der WHO sowie die Her- stellerangaben zu den Impfstoffen. Bei speziellen Fragen zu Impfungen sollte ein tropenmedizinisch erfahrener oder reisemedizinisch fortgebildeter Arzt oder eine tropenmedizinische Einrichtung konsultiert werden.

Die DTG kann selbst keine Beratungsaufgaben übernehmen !

Hinweise zu Impfungen für Ärzte

Impfrisiko - Aufklärung - Dokumentation

Anwendung (Applikation) / Impfrisiko / Aufklärung /Dokumentation

 

Allgemeine Informationen zu Impfungen

Die nachfolgenden Hinweise zu einzelnen Impfungen, alphabetisch geordnet, sollen dem/der beratenden Arzt/Ärztin als Orientierungshilfe dienen.

 

Übersicht der Reiseimpfungen

Cholera

Diphtherie

FSME

Gelbfieber

Grippe

Hepatitis A

Hepatitis B

Influenza, saisonal

Jap. Enzephalitis

Masern

Meningokokken

Poliomyelitis

Typhus

Tollwut

Tetanus

 

 

Impfempfehlungen als Broschüre

Sie erhalten die Empfehlungen in kompakter Form als PDF, das Sie hier herunterladen und ausdrucken können. Ebenfalls erhältlich ist eine Broschüre in gedruckter Form beim Info-Service der DTG unter Einsendung eines adressierten und mit 1,45 Euro frankierten Rückumschlags im Format A5. Das gilt auch für die

DTG-Empfehlungen zur Malariavorbeugung sowie für

Adressen reisemedizinisch qualifizierter Ärzte und

tropenmedizinischer Einrichtungen.

Ein Nachdruck der DTG-Publikationen, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung gestattet.

DTG_Impfungen_2017.pdf