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Reisende mit Vorerkrankungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Grundsätzlich können Medikamente die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Deshalb müssen diese Wirkungen (Wechselwirkungen) bei der Auswahl der Malariamedikation bedacht werden. Eine Tabelle gibt Auskunft über die Wechselwirkungen der empfohlenen Malariamedikamente.

Niereninsuffizienz

Chloroquin und Proguanil werden über die Niere ausgeschieden und sollten daher bei Niereninsuffizienz in angepasster Dosierung verordnet werden. Mefloquin und Doxycyclin werden vorwiegend über die Leber metabolisiert und können auch bei Dialyse-Patienten ohne Dosisanpassung gegeben werden.

Atovaquon/Proguanil ist kontraindiziert bei einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml pro min.

Schwere Leberkrankheiten

Bei schweren Leberkrankheiten (Child-Stadium B und C und/oder Erhöhung der Transaminasen auf mehr als das Doppelte des oberen Normwertes) sind alle Malariamedikamente kontraindiziert. In diesen Fällen sollte von der Reise abgeraten werden.

Schwere Herzkrankheiten

Mefloquin sollte nicht bei bekannten Erregungsleitungsstörungen sowie bei gleichzeitiger Therapie mit Medikamenten vom Chinidin-Typ gegeben werden. Artemether/Lumefantrin ist bei Herzerkrankungen die mit klinisch relevanten Herzrhythmusstörungen einhergehen kontraindiziert, auch bei Patienten mit plötzlichem Herztod in der Familienanamnese.

Hämatologische und immunologische Erkrankungen

Bei Splenektomierten sollte auf eine konsequente Malariaprophylaxe geachtet werden, auch wenn es keine sicheren Hinweise auf foudroyantere Verläufe gibt und nicht grundsätzlich von Aufenthalten in Malariagebieten abgeraten werden muss. Das gleiche gilt für Patienten mit Immundefekten als Folge einer medikamentösen Therapie, z.B. bei Organtransplantation.

Epilepsie

Das Risiko für einen Epilepsiekranken, unter einer Prophylaxe mit Chloroquin einen epileptischen Anfall zu erleiden, scheint nicht höher zu sein als das Spontanrisiko. Daher ist es vertretbar, im Falle einer notwendigen Malariaprophylaxe bei einer Person mit Epilepsie Chloroquin einzusetzen. Mefloquin sollte zur Malariaprophylaxe bei Personen mit Epilepsie nicht eingesetzt werden. Dies sollte auch für den Einsatz von Mefloquin bei Verwandten Epilepsiekranker gelten, wenn die Ätiologie der Epilepsie idiopathisch ist. Sollte Mefloquin dennoch eingesetzt werden müssen, so könnte zuvor eine elektroenzephalographische Untersuchung in einem gewissen Maße Auskunft darüber geben, ob bei dem Verwandten eine Disposition zu Epilepsie besteht. Eine Malariaprophylaxe mit Proguanil oder Doxycyclin ist bei Epilepsiekranken möglich. Die Erfahrungen zur Prophylaxe oder zur notfallmäßigen Selbstbehandlung mit Atovaquon/Proguanil (Malarone®) und zur notfallmäßigen Selbstbehandlung mit Artemether/Lumefantrin (Riamet®) sind bisher bei Epilepsiekranken gering. Daher sollte die Indikation zurückhaltend gestellt werden.

HIV-Infektion

Mefloquin scheint das Cytochrom-P-450 System zu induzieren, so dass Serumspiegel der Protease-Inhibitoren abfallen können. Andererseits können Proteaseinhibitoren die Mefloquin-Konzentration beeinflussen. Die gleichzeitige Anwendung von Atovaquon/Proguanil und Indinavir führt zu einer Verminderung der unteren Plasmaspiegel von Indinavir. Auch Artemether/Lumefantrin sollte nicht gleichzeitig mit Proteaseinhibitoren gegeben werden. Unter Chloroquin können die Plasmakonzentrationen der Proteaseinhibitoren und der NNRTI leicht ansteigen. Insgesamt bestehen über solche Interaktionen noch wenig gesicherte Daten. Es sollte daher mit einem spezialisierten Zentrum Kontakt aufgenommen werden, in Einzelfällen können Spiegelbestimmungen erforderlich werden. (Siehe auch www.hiv-druginteractions.org)

aktualisiert:   15.11.2007, 14:30
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