Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit e.V.
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Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit mit den schwerwiegenden Folgen einer mög­licherweise chronischen Infektion, wie Leberzirrhose und Leberzellkarzinom Das Virus ist hochansteckend und umweltstabil. Allen ungeimpften Personen sollte daher bei Reisen in Länder mit erhöhter Hepatitis B-Prävalenz (Abb. 4) eine komplette Impfserie gegen Hepatitis B angeboten werden.

Impfstoff

Totimpfstoff, rekombinantes HB-Virus-Oberflächenantigen (HBsAg).

Grundimmunisierung im reisemedizinischen Kontext

Bei nicht bereits gegen Hepatitis B grundimmunisierten Reisenden sollte die Indikation für eine Impfung großzügig gestellt werden. Dies gilt insbesondere, wenn Risikofaktoren vorliegen, zum Beispiel enger Kontakt zur lokalen Bevölkerung, mögliche Sexualkontakte, Auslandsreisen zum Zweck von medizinischen Eingriffen (z. B. Zahnbehandlung, kosmetische Operation), Dialysebehandlung auf Reisen, Langzeitaufenthalt in Ländern mit eingeschränkter medizinischer Versorgung, Tätowierungen, Piercings oder auch ein berufliches Risiko. Weitere Risikogruppen sind z. B. Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung, men who have sex with men (MSM), intravenös Drogenabhängige, Dialysepatienten sowie Personen, bei denen wegen einer vorbestehenden oder zu erwartenden Immundefizienz bzw. -suppression oder wegen einer vorbestehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten ist.

Auffrischung

Nach einer abgeschlossenen Grundimmunisierung gegen Hepatitis B in der Kindheit geht die WHO davon aus, dass bei 95% der Geimpften schützende Antikörpertiter für mindestens 20 Jahre, wahrscheinlich sogar lebenslang vorliegen.

Routinemäßige Auffrischimpfungen gegen Hepatitis B sind laut STIKO nicht vorgesehen. Eine Auffrischimpfung wird nur bei besonderem Risiko empfohlen; hier werden unter anderem auch Auslandsreisen aufgeführt, auf eine „individuelle Gefährdungsbeurteilung“ wird hingewiesen (2). Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, im Rahmen einer Auslandsreise nach länger zurückliegender Hepatitis B-Grundimmunisierung eine Durchbruchinfektion mit Hepatitis B zu bekommen, ist aktuell aufgrund fehlender Daten unklar.

Einstweilen sollte bei Reisen in Länder mit erhöhter Hepatitis-B-Prävalenz und/oder bei erhöhtem individuellem Expositionsrisiko die Indikation zur Auffrischimpfung nach Grundimmunisierung im Säuglingsalter großzügig gestellt werden, sofern keine Auffrischimpfung im Jugendalter dokumentiert wurde und der Anti-HBs-Status unbekannt ist.

Ob weitere Wiederimpfungen aus reisemedizinischer In­dikation im Erwachsenenalter indiziert sind, und wann diese zu erfolgen hätten, ist derzeit unklar (2).

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Bei gleichzeitiger Indikation für eine Hepatitis A- und B-Impfung ist ein Kombinationsimpfstoff verfügbar (Twinrix®). Dieser Impfstoff enthält im Vergleich zum monovalenten Impfstoff nur eine halbe Dosis Hepatitis A. Zuvor noch nicht gegen Hepatitis A (und B) geimpfte Reisende sind nicht sicher geschützt, wenn sie nur eine Dosis des Kombinationsimpfstoffs erhalten.

Für Last-Minute-Reisende existiert ein Schnellimmunisierungsschema für Erwachsene: 0 – 7 – 21 – 365 Tage; dies ist sowohl für die Hepatitis-B-Impfung, als auch für den Hepatitis A-/B-Kombinationsimpfstoff in dieser Altersgruppe zugelassen.

Für Säuglinge, Kinder und Jugendliche gibt es Darreichungs­formen mit reduzierter Dosis.

 

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Links:

Hepatitis A

Länderspezifische Informationen des CDC