Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit e.V.
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin
und Globale Gesundheit e.V.
 
Drucken Print

Durch Impfprogramme der WHO sind inzwischen viele Länder der Welt poliofrei. Wildpolioviren (WPV) zirkulierten in den vergangenen Jahren nur noch in 3 Ländern: Afghanistan, Pakistan und Nigeria, wobei Nigeria ggf. 2020 als frei von WPV zertifiziert wird. Eine weitere Gefahr geht von mutierten Impfviren („circulating vaccine derived polio virus, cVDPV) aus: Durch mangelhafte Impfquoten in Ländern, in denen die orale Lebendvakzine (OPV) geimpft wird und gleichzeitig schlechten hygienischen Bedingungen, können Ausbrüche durch mutierte Impfviren verursacht werden. Dieses Risiko besteht gegenwärtig vor allem in Ländern in Afrika südlich der Sahara und Südostasien, in denen die Impfquote unter 85% liegt.

2019 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Zahl von Ländern mit Nachweis von cVDPV. Das Ziel der Global Polio Eradication Initiative (GPEI) ist es daher, alle Länder der Welt von der Verwendung von OPV auf den Totimpfstoff IPV umzustellen. Von der GPEI, der WHO und anderen Akteuren wurden daneben Länder benannt, die für Polioausbrüche vulnerabel sind („s.u.) .

Impfstoffe

In Deutschland wird ausschließlich der i. m. verabreichte Totimpfstoff (IPV) verwendet, der inaktivierte Polioviren Typ I - III enthält. Es existieren reine Polioimpfstoffe und verschiedene Kombinationsimpfstoffe.

Indikationen

Grundimmunisierung: Für den Zweck des Individualschutzes gilt in Deutschland als vollständig immunisiert, wer eine Grundimmunisierung mit insgesamt 4 Polioimpfungen im Kindes- und mindestens eine Auffrischung im Jugendalter, beziehungsweise 3 Impfungen bei Erstimpfung im Erwachsenenalter und eine Auffrischung erhalten hat. Für Deutschland werden darüber hinaus keine weiteren Auffrischimpfungen empfohlen.

Individualschutz für Reisende: Für den Individualschutz in Ländern mit möglicher oder bestätigter Zirkulation von WPV oder cVDPV gilt, dass die letzte IPV-Impfung maximal 10 Jahre zurückliegen sollte. Auffrischimpfungen im reisemedizinischen Kontext können zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als Indikationsimpfung durchgeführt werden.

Vorgeschriebene Impfung bei Ausreise:

Neben dem Individualschutz spielt auch der Schutz vor Verbreitung von Polioviren durch Reisende eine Rolle. Für die Verhinderung einer Weiterverbreitung des Virus nach Ende eines Aufenthalts von >4 Wochen in einem Land mit Viruszirkulation, gibt IPV Schutz im Zeitraum von 4 Wochen bis 1 Jahr nach Gabe der Injektion.

Länder, für die besondere Vorschriften zum Schutz vor internationaler Polioausbreitung gelten, werden vierteljährlich durch die WHO publiziert und u. a. in die aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes aufgenommen.

Eine Übersicht über Länder, für die eine Polioimpfung empfohlen ist, gibt die epidemiologische Weltkarte in den Emphelungen zu Reiseimpfungen der DTG (Download-Box, Hompage).

Die WHO empfiehlt Ländern mit hohem Risiko einer Polioverbreitung, den Polioimpfstatus von Ausreisenden zu kontrollieren.

Laut dieser Empfehlung gilt für Langzeitreisende (>4 Wochen):

  • Besitz einer Polioimpfung, die max. 12 Monate zu­rückliegt
  • die Gültigkeit der Impfbescheinigung für diese Fälle beträgt nur ein Jahr
  • Eintrag als Internationales Zertifikat im Impfpass („ 1)

Eine Übersicht über WPV und cVDPV-endemische Länder, sowie Länder die als vulnerabel eingestuft werden, finden Sie im "Merkblatt Poilo-Impfung" auf der Homepage der DTG, 1. Seite, Downlaod-Box.

Vorgeschriebene Impfung bei Einreise:

Ein Nachweis über eine Polioimpfung wird daneben für Einreisende nach Saudi-Arabien aus WPV und cVDPV-endemischen Ländern, so wie aus vulnerablen Ländern verlangt, jedoch nicht bei Einreise aus Deutschland (Stand Februar 2020).