Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V.
Deutsche Gesellschaft für
Tropenmedizin, Reisemedizin
und Globale Gesundheit e.V.
 

Aktuelle Mitteilungen der DTG

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) unterstützt im Rahmen einer Anschubfinanzierung wissenschaftliche Projekte, die sich der Reisemedizinthematik widmen. Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Leistung der DTG, die jeweils offiziell über das aktuell genutzte Kommunikationsmedium der DTG angekündigt wird. Eine dauerhafte Verpflichtung erwächst der DTG daraus nicht.

Bedingungen:

  • Das Projekt widmet sich einer aktuellen reisemedizinischen Fragestellung.
  • Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle Mitglieder der DTG. Anträge von Nachwuchswissenschaftlern* (bis zum 35. Lebensjahr) als Erst- oder alleinige Antragsteller werden vorrangig gefördert (Angabe auf dem Antrag, ob Nachwuchswissenschaftler mit dem Satz: “Ich versichere, dass ich den Ausschreibungsstatuen der Anschubfinanzierung der DTG e.V. nach ein Nachwuchswissenschaftler bin.”) Sofern er studentisches Mitglied ist, muss der Antrag gemeinsam mit einem Vollmitglied der DTG gestellt werden.
  • Anträge müssen zum 01.12.2021 bis 12:00 Uhr (Deadline) per E-Mail an den Schriftführer bei der Geschäftsstelle (dtg@bnitm.de) gesendet werden.
  • Bei 50% der Projektlaufzeit und zum Abschluss wird ein Projektbericht eingereicht. Bei Veröffentlichungen wird die DTG als Sponsor genannt. Für die Zeitschrift „Flugmedizin, Tropenmedizin, Reisemedizin“ wird ein Projektbericht nach Abschluss der Arbeit erstellt

Hinweise zur Antragstellung hier herunterladen

 

 

Gemeinsam für gute ärztliche Impfberatung: Der Ständige Ausschuss Reisemedizin (StAR) der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) und das digitale Nachschlagewerk AMBOSS starten eine neue Kooperation.

Köln/Berlin und Hamburg, 26. Juli 2021

Was es bislang nur als Printartikel oder PDF-Dokument gab, lässt sich nun direkt in AMBOSS nachschlagen: alle aktuell gültigen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) zum Reise-Impfschutz je Zielland.

“Unser Anliegen ist es, den reise-, tropen- und arbeitsmedizinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen bei ihren Präventionsentscheidungen für Reisende eine Hilfestellung für die Bewertung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses zu geben”, sagt Dr. med. Gerhard Boecken, stellvertretender Vorsitzender des ständigen Ausschusses Reisemedizin der DTG und Leitender Medizinaldirektor im Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes. “Je leichter unsere Empfehlungen zu finden sind, desto schneller kommen sie Beratenden wie Beratenen zugute. AMBOSS ist hier ein wichtiger neuer Partner für uns.”

Neben den für 2021 geltenden Empfehlungen sind in Zusammenarbeit mit dem AMBOSS-Illustrationsteam zahlreiche Weltkarten vollständig überarbeitet oder neu konzipiert worden. Diese zeigen die Verbreitung verschiedener Infektionskrankheiten von Cholera und Gelbfieber bis Tollwut und Typhus. An den aufwändig erstellten Grafiken zur Verteilung der Meningokokken-Serogruppen etwa lässt sich auf einen Blick ablesen, welcher Impfstoff für das jeweilige Zielland angeraten ist.

“Menschen reisen – auch in Zeiten der Pandemie. Wir wollen gemeinsam dazu beitragen, dass sie dabei gut beraten werden und den aktuell empfohlenen Impfschutz erhalten”, sagt Emrah Hircin, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie und Leitender Redakteur bei AMBOSS, über die Kooperation mit der DTG.

Die neuen reisemedizinischen Inhalte der Kooperationspartner stehen nicht nur den 70.000 ärztlichen AMBOSS-Nutzer:innen zur Verfügung, sondern sind auch allen Interessierten ohne AMBOSS-Abo jederzeit kostenfrei zugänglich. Ein vorheriger Log-in in die AMBOSS-App ist möglich, aber nicht erforderlich.

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) verleiht alle 2 Jahre den “Preis für Tropenmedizin“. Der Preis dient der Förderung jüngerer Wissenschaftler und wird für besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Tropenmedizin oder der internationalen Gesundheitswissenschaften verliehen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert und wird derzeit von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung finanziert.

Der Preis für Tropenmedizin 2021 wurde am 17. Juni 2021 auf dem virtuellen Kongress für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten (KIT2021), zugleich Jahrestagung der DTG, geteilt an zwei Nachwuchswissenschaftler vergeben: Dr. Benno Kreuels, Hamburg, wird für seine klinischen Forschungen in der Tropenmedizin ausgezeichnet und Professor Thirumalaisamy Velavan, Tübingen für seine labororientierten Arbeiten.

Dr. med. Benno Kreuels

ist Oberarzt in der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Sektion Tropenmedizin, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Leiter der klinischen Weiterbildung am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Nach dem Medizinstudium schloss er eine Ausbildung an der London School of Hygiene & Tropical Medicine in Epidemiologie an, es folgten klinische Tätigkeit in Hamburg und zugleich Durchführung vieler Projekte zu Infektionskrankheiten in Afrika. Dr. Kreuels hat mehrere Jahre als Oberarzt am College of Medicine in Blantyre, Malawi, gearbeitet. Er hat umfangreiche Tätigkeiten in Endemiegebieten durchgeführt, insbesondere in Ghana, und seine Ergebnisse in insgesamt über 50 Publikationen in hochrangigen Zeitschriften, darunter im New England Journal of Medicine und in Blood, publiziert. In seinen Arbeiten hat er sich besonders mit der Epidemiologie der Malaria in Afrika und dem Einfluss der Malaria auf die Entwicklung der Kinder beschäftigt. Er hat dabei den Einfluss von genetischen und Umweltfaktoren differenzieren können.

Sein besonderes Augenmerk gilt der klinischen Tropenmedizin. So hat er vor einigen Jahren durch die wissenschaftliche Aufarbeitung des klinischen und virologischen Verlaufs der Erkrankung des ersten in Deutschland behandelten Ebola-Patienten im „New England Journal of Medicine“ im Jahr 2014 zum ersten Mal den klinischen, laborchemischen und virologischen Verlauf der Ebolavirus-Infektion detailliert aufgezeichnet. Dies lieferte wichtige Daten für die Therapie und Isolierung von Patienten während der Epidemie in West Afrika. Zudem konnten wichtige Daten zum Verständnis der Immunantwort des Menschen gegen Ebola gewonnen werden. Im Bereich der klinischen Tropenmedizin beschäftigte er sich zudem mit dem Einsatz von Point-of-care Ultraschall (POCUS) zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie bei stationären Patienten in Ländern mit begrenzten Ressourcen. Hier konnte er zeigen, dass durch die Einführung von POCUS, die Zeit zur Diagnose und damit die Dauer des Krankenhausaufenthaltes bedeutend verkürzt werden können.

Professor Dr. Thirumalaisamy P. Velavan

Velavan

ist Molekulargenetiker und arbeitet als Gruppenleiter am Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie des Universitätsklinikums und der Universität Tübingen. Nach seiner Promotion an der Universität Tübingen leitete er eine Nachwuchsgruppe und ist seit 2011 Gruppenleiter. Im Jahr 2016 habilitierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen und erhielt dort 2019 seine außerplanmäßige Professur. Professor Dr. Velavan ist außerdem Gründer und Leiter des Vietnamesisch-Deutschen Zentrums für medizinische Forschung (VG-CARE) in Hanoi, Vietnam (www.vgcare.org). Während ausgedehnter Forschungsaufenthalten in Hanoi koordiniert er verschiedene Grundlagen- und klinische Forschungsprojekte mit den Schwerpunkten molekulare Epidemiologie, klinische Studien, Wirt-Pathogen-Genetik und Diagnostik, insbesondere zu viraler Hepatitis, COVID-19, Malaria und der Belastung durch Helmintheninfektionen.

Seine Forschungsgruppe besteht aus Ärzten und Wissenschaftlern aus Afrika und Asien mit starker, gleichberechtigter Süd-Süd- und Nord-Süd-Kooperation. Alle Mitglieder der Gruppe sind hoch motiviert, die Gesundheit in Entwicklungs- und Schwellenländern durch klinische Forschung zu verschiedenen Infektionskrankheiten der Tropen zu verbessern. Professor Dr. Velavan und seine Gruppe konzentrieren sich auf die genetische Charakterisierung von Krankheitserregern und humangenetischen Faktoren. Er hat mehr als 155 Artikel in Fachzeitschriften mit Peer-Review-Verfahren veröffentlicht, darunter Cell, PNAS, Lancet infectious diseases, mit einem kumulativen Impact-Faktor von >700, und einem h-Index von 30. Professor Dr. Velavan ist Mitherausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift Tropical Medicine and International Health, BMC Medical Genomics und Mitglied des Editorial Board von Nature Scientific Reports. Außerdem ist er Mitglied in den Gutachterausschüssen internationaler Förderorganisationen in der EU und weltweit.

Vor kurzem konnten Professor Dr. Velavan und seine Teams zeigen, dass durch den Verzehr von Lebensmitteln weltweit ein signifikantes Risiko einer Hepatitis-E-Infektion besteht. Die Studien zwischen 2019 und 2020 ergaben, dass 10 % der kommerziellen Schweinefleischprodukte in Deutschland mit Hepatitis E kontaminiert sind. Selbst in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, wie Vietnam, wurde eine hohe Hepatitis-E-Seroprävalenz bei beruflich exponierten Personen gefunden, und es konnte zudem gezeigt werden, dass die Hepatitis-E-Superinfektion den klinischen Verlauf in HBV-Infektionen endemisch Gebieten bei Patienten mit Hepatitis B verschlechtert hat.

Der Ständige Ausschusss Reisemedizin der DTG (StAR) hat die Empfehlungen zu Reiseimpfungen und zur Malaria-Propylaxe aktualisiert.
Die Empfehlungen zu Reiseimpfungen wurden in Heft 2/2021, die Empfehlungen zur Malariaprophylaxe wurden im Heft 4/2021 der Zeitschrift Flug-, Tropen- und Reisemedizin veröffentlicht, die DTG-Mitgliedern zugesandt wird. Die Empfehlungen für 2021 sind auch auf der DTG-Website publiziert. Sie können auch aus der Download-Box auf der Titelseite der DTG-Website als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Der Artikel zur Malaria-Prophylaxe enthält von einigen Regionen detaillierte Karten des Malaria-Risikos, die ebenfalls heruntergeladen werden können.
Karten zum Malaria-Risiko 2021 sind einzeln als PDF herunterzuladen:
 

Wir haben Kolleginnen und Kollegen in den Tropen aus unserem die Welt umspannenden globalen Netzwerk gebeten, uns ihre Einschätzungen von vor Ort zu geben. Diese finden Sie nachfolgend abgedruckt.

Südafrika

Kapstadt wurde neulich als New York City von Afrika bezeichnet. Vermutlich wegen des regen Tourismus ist die Stadt nahe der Südspitze Afrikas derzeit das am meisten von COVID-19 betroffene Gebiet in ganz Afrika, Mehrere „founder events" mit Ursprung in europäischen Ländern sind bekannt. Der südafrikanische „Lockdown", der ab dem 26. März bis Ende April die weltweit wohl umfassendsten Einschränkungen verhängte, konnte das Übergreifen von den zunächst betroffenen relativ wohlhabenden auf ärmere Bevölkerungsgruppen nicht verhindern. Es kam zu mehreren, teilweise erheblichen Ausbrüchen in „essential workplaces", die trotz Lockdown den Betrieb aufrechterhalten mussten. Insbesondere das Konzept der häuslichen Quarantäne und Isolierung ist illusorisch, wenn ganze Großfamilien sich ein bescheidenes Häuschen oder gar einen „Shack" teilen, von eigenen Sanitärbereichen ganz zu schweigen. Zum Glück ist Südafrika, oder zumindest die nicht allzu sehr durch Korruption und Inkompetenz betroffenen Bereiche, recht gut auf Notfälle eingestellt: Seit Mitte März läuft unser Labor auf vollen Touren, mit 24/7-Schicht-System, etlichen neu angeschafften Geräten und einer massiven Ausweitung der SARS-CoV-2 Testung. Enttäuschend ist es, dass wir nach wie vor mit erheblichen Engpässen beim Nachschub von Testkits sowohl für weitgehend automatisierte Systeme als auch für molekulare Schnelltests zu kämpfen haben. Wir können das mithilfe qualifizierten Personals weitgehend kompensieren, doch in weniger gut aufgestellten afrikanischen Ländern wirft dies kaum lösbare Probleme auf.

Prof. Dr. Wolfgang Preiser, Virologe in Kapstadt

 

Tansania

Leben und Arbeiten im Ungewissen! Tansania geht seinen ganz eigenen Weg während der Corona-Virus-Pandemie: kein Lockdown, keine Nennung von Fallzahlen und die Durchführung von möglichst wenig Testen, die alle nur im nationalen Gesundheitslabor ausgewertet werden dürfen. Das macht das Arbeiten im Krankenhaus derzeit besonders schwierig, denn wie schützt man seine kleinen Patienten, deren Eltern und die Mitarbeiter am besten vor einer Ansteckung, wenn man die aktuelle Lage insgesamt kaum einschätzen kann? Trotz allem geht es uns bisher insgesamt gut und wir wahren die leise Hoffnung, dass die ganz große Katastrophe ausbleiben wird und die junge Bevölkerung des Landes gegenüber dem Virus ausreichend widerstandsfähig ist.

Dr. Antke Züchner, Neonatologin in Dar-es-Salaam

 

Indien

Corona calls for caring! We are in 5th lock out in India.This lock out is more in Red zone area like Mumbai, Pune Chennai, Delhi and many big cities. I speak more about Maharashtra as it is more infected then other states and also the situation in India. The infection came from abroad when Indians return to their home places and nobody was aware of it. In initial stage nobody took it serious. The first case was found in Kerala. Now many infected cases are going to their home place from Red zone so every village in India have corona virus cases. The local people are safe and very well follow the instruction. It is urban who are more infected. The infection in many places because of overcrowded and no out let for the people. The people are asked to move from 7am to 7pm, and then there is curfew. If we do not follow the instruction then there is fine taken from person. Regularly, pesticide are put, cleanliness is done. The schools are still closed and there is discussion to open the senior classes with lots of rules and regulation. The covid 19 is increasing very rapidly, every day about 4000 cases and 300 deaths. Many police and the nurses are infected. Most of the people are from abroad and Maharashtra who have come back to their home place. We are continuously instructing the people to remain safe. Since there is no place for quarantine, now home quarantine has started. At present we have over 15,500 deaths in India. Many patients who have died are senior and have other complications. Many nurses and police are infected and special arrangements are made to treat them.

Sr. Jema Rodriguez, Krankenschwester in Shirampur

 

Venezuela

Initially, it was believed that the pandemic would not arrive into Venezuela due to its international isolation, early quarantine measures and the immobility of the population due to the lack of gasoline. Up to date several factors complicate the situation: An internationally declared complex humanitarian crisis, which affects among many other things the essential supplies in hospitals and homes; the late and incomplete institutional response from the country's health authorities throughout these months; the continuous flow of Venezuelans returning to the country, unable to stay in the places they currently live; the urgent need for citizens to acquire provisions on a daily basis, due to their limited purchasing capacity and storage of supplies; the immense queues to fill up on what little gasoline there is. We are reaching a critical mass of citizens and health personnel detected as suspicious and ill, which allows us to assume that the situation is getting out of hand. This in a few days can translate into a critical scenario due to the difficulty of properly tracing the chain of contacts and the immense deterioration of the country's hospital services.

Prof. Dr. Alicia Ponte-Sucre, Parasitologin in Caracas

 

Paraguay

Paraguay hat bereits Anfang März Kontrollen und Quarantäne für Reisende aus dem Ausland angeordnet und generelle Quarantäne ab 11. März. Durch diese schnellen und strikten Maßnahmen sehen die offiziellen Zahlen bezüglich COVID-19 günstiger aus als in den Nachbarländern: ca. 1942 Fälle, davon 882 aktiv, 1045 Gesundgewordene, 15 Tote (27. Juni). Weder im Chaco, noch unter Indígenas sind derzeit Fälle registriert. Da die meisten Indígenafamilien eine monatliche finanzielle Unterstützung der Regierung unterhalten, sowie mit der Schulnahrung (jetzt als Lebensmittelpakete, die in einigen Provinzen trotz nicht stattfindendem Präsenzunterricht weiterläuft – aber eben nur für Schüler), ist zumindest die Grundernährung weitgehend gesichert. Kritischer ist die Situation in Dörfern, in denen die meisten von Gelegenheitsarbeiten abhängig sind. Eine Schwierigkeit ist, dass viele Indígenas sich nicht von der Ernsthaftigkeit des Virus überzeugen lassen und damit auch die Bestimmungen nicht einhalten; viele meinen, es handle sich um „ein Problem der Weißen“... Daher versuchen wir, in nun erlaubten Kleingruppen Aufklärungsarbeit zu leisten und auf den Anordnungen zu bestehen (Hygienemaßnahmen etc). Aber – wie sollen sie die Hände waschen, wenn totaler Wassermangel herrscht? Oder „sozialen Abstand“ halten, wenn in jedem Häuschen mehrere Familien auf kleinstem Raum zusammenleben?

Miguel Fritz, Missionar im Chaco

 

Argentinien

In Argentina, preventive and compulsory social isolation policies were adopted early, which allowed flattening the virus spread curve and thus avoid the collapse of the health system. Currently, almost all of the country has gone to phase 4, with numerous activities allowed adopting and respecting strict prevention protocols. However, in the Buenos Aires Metropolitan Area it is difficult to contain the virus spread rate and it was necessary to return to mandatory isolation (phase 1). In Misiones province, which borders Brazil and Paraguay, in addition to respecting national measures, the total closure of borders was carried out, since the situation reported mainly in Brazil is not favorable. It should also be noted that, at the same time, northern Argentina suffers from an endemic, caused by the Dengue virus, which is why the provincial authorities took advantage of reinforcing its prevention measures. The possible clinical evolution of patients with concomitant viral infection (coronavirus and dengue) is unknown. Unfortunately, the provincial and national economic difficulties have become even more evident; however, prioritizing the health of the population is mandatory.

Prof. Ana María Teresita Foth, Rektorin und Prof. Gerardo Moreno, Dekan in Posadas

 

Demokratische Republik Kongo

Corona hat Bukavu befallen, viele Menschen haben sich infiziert und sind von der Krankheit betroffen. Aufgrund der Schwäche des Gesundheitssystems konnten nur wenige Patienten diagnostiziert werden. Wir sind jedoch in der Lage, schwerkranke Patienten zu versorgen. Aber wir wollen, dass das Gesundheitssystem als Folge dieser Epidemie gestärkt wird. Während die Welt auf Corona konzentriert ist, erleben wir immer noch viel Gewalt, insbesondere sexuelle Gewalt gegen Frauen. Der Kampf für Gerechtigkeit und Frauenrechte in der Demokratischen Republik Kongo muss fortgesetzt werden. Drei Monate lang trug ich bei der medizinischen Koordination der Corona-Virus-Reaktion in Süd-Kivu zur Umsetzung der Corona-Virus- Strategie in unserer Provinz bei. Nun, da die Teams einsatzbereit sind, habe ich mein Eintreten für mehr Gerechtigkeit und Frieden in unserem Land wieder aufgenommen.

Dr. Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger 2018

“Ihr redet von Corona. Wir erleben hier wie jeden Tag neue Menschen aus Djugu, der Region, wo gerade schlimmste Gewalt geschieht, Menschen vertrieben werden. Manchmal wissen wir nicht mehr aus noch ein. Die Welt schaut weg, während hier die Hoffnung langsam stirbt.“ Rose Mumbere mit ihrem Team von MUSACA hat in den letzten Jahren ein Notfallprogramm für vertriebene Binnenflüchtlinge in Bunia aufgebaut. Sie geht in die Lager um Schwanger und Kinder zu versorgen und hat 2 Jahre lang wegen Ebola aufgeklärt und insbesondere Maßnahmen zu Handhygiene eingeführt. Eine Ebolaausbruch konnte verhindert werden. „Nun redet Ihr von Corona“, sagt sie mir. „die ersten Fälle sind hier bestätigt, aber was uns viel mehr Not macht, sind die vielen traumatisierten Menschen, die Schwierigkeiten sie mit sauberem Wasser zu versorgen. Eigentlich brauchten wir viel mehr Mittel. Wir werden uns weiter um Aufklärung und Hygiene bemühen, aber was wir brauchen, ist Frieden und ein Ende der Gewalt. Die Welt schaut auf Corona, während hier unendliches Leid geschieht.“ Vor einem Jahr hat Gisela Schneider die Region besucht. Dabei konnten wir uns in und um Bunia relativ frei bewegen. Inzwischen tritt die Gewalt auch am Stadtrand von Bunia und auch in der Stadt auf. Die Menschen leben auf engstem Raum zusammen, „social distancing“ kann hier niemand praktizieren und bei einem Coronaausbruch wird das schon jetzt oft überforderte Gesundheitssystem kaum reagieren können. Das Difäm unterstützt die kirchlichen Gesundheitseinrichtungen, um eine Basisversorgung aufrecht zu erhalten. Menschen wie Rose Mumbere leisten eine unglaubliche Arbeit – und lassen sich trotz allem nicht entmutigen.

Rose Mumbere und Dr. Gisela Schneider, Difäm

 

Gabun

Wie der Großteil der frankophonen Länder Afrikas hat sich auch Gabun sehr früh mit der Pandemie beschäftigt und Labormitarbeiter wurde schon Anfang Februar vom Institut Pasteur in Dakar in der Diagnostik von SARS-CoV-2 ausgebildet. Maßnahmen wie Reisebeschränkungen und Schulschließungen wurden bereits im März parallel zu denen in Europa durchgeführt, noch bevor die ersten Fälle im Land aufgetreten sind. Es scheint, dass– trotz allen Schwächen im Gesundheitssystem – weitgehend den Empfehlungen von WHO und CDC Afrika gefolgt wird. Das Testen von Verdachtsfällen und Kontakten funktioniert mittlerweile recht gut, das Tracing von Kontaktpersonen aber deutlicher schlechter. Die Isolierung von Fällen wird dagegen kaum ernsthaft versucht. Am Forschungszentrum CERMEL (www. cermel.org) in Lambaréné haben wir den deutlichen Anstieg der Fälle direkt mitbekommen, da wir bis Juni nur eines von 2 Diagnostikzentren im gesamten Land waren. Daher mussten wir sehr schnell unsere Labortätigkeit fast zur Gänze auf die Diagnostik von SARS-CoV-2 umstellen. Obwohl das Land eine Reihe von prominenten Todesfällen durch COVID zu beklagen hat, hört man weder von überfüllten Intensivstationen noch von überwältigten Bestattungsunternehmen. Die Sorgen um Kollateralschäden durch die Vernachlässigung anderer Krankheiten während der Pandemie sind jedoch zweifellos berechtigt. Jetzt, Mitte Juli scheinen die Anzahl neuer Fälle etwas zurückzugehen und der Fokus wird auf die Rücknahme der Reisebeschränkungen gelegt – zu einem Zeitpunkt bei dem die Übertragung noch recht hoch ist.

Prof. Dr. Bertrand Lell, CERMEL, Lambaréné, Gabun

 

Äthiopien

Äthiopien hat wie die meisten Länder Afrikas zeitig auf die sich entwickelnde Pandemie reagiert und umfassende nicht-pharmazeutische Maßnahmen implementiert, die das öffentliche Leben paralysierten. Über das gut ausgestattete Nationale Institut für öffentliche Gesundheit (EPHI), wurde ein Regional Laboratory Capacity Building Program initiiert, dem wir uns sofort anschlossen. Etwa 3,5 Millionen Menschen leben in der hügeligen, landwirtschaftlich geprägten Gegend rund um die Stadt Asella in Zentraläthiopien. Westliche Ausländer haben hier Seltenheitswert. Seit 2013 sind jeweils zwei deutsche Ärzte im Hirsch Institut auf dem Campus des Asella Teaching and Referral Hospitals tätig. Vor COVID beschäftigten wir uns in unserem kleinen, klinischen Forschungslabor mit nosokomialen Infektionen, Sepsis und AMR. Mittlerweile haben wir uns mit unseren beschränkten Mitteln in ein diagnostisches Monster verwandelt und zahlreiche Evolutionsstufen hin zu einem professionalisierten klinischen Routinelabor übersprungen. Besucher würden es nicht wiedererkennen! Unser Supply speist sich im Wesentlichen aus den nationalen Quellen, hin- und wieder bekommen wir Unterstützung aus unserer Heimatuniversität in Düsseldorf. Die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden, der Universität und den Klinikern funktioniert sehr gut. Seit dem ersten Fall am 13. März konnten in Äthiopien bislang 52,131 Infektionen nachgewiesen werden, 809 Patienten sind verstorben. Die Behandlung findet ausschließlich in speziell umfunktionierten Health Centers und Krankenhäusern statt, zudem werden Hotels als Quarantänestationen genutzt. Da es wie vielerorts in Afrika viele asymptomatische Infektionen und wenig schwere Verläufe gibt, stellt sich stets die Frage: Bleibt die Lage aufgrund der Altersstruktur so glimpflich, oder kommt da noch was? Setzen wir unsere Mittel angesichts der vielfältigen Aufgaben richtig ein? Wie hoch werden die Kollateralschäden der Pandemie sein?

Marlen Schneider und Yannik Eggers, Hirsch-Institut für Tropenmedizin, Asella, Äthiopien