Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V.
Deutsche Gesellschaft für
Tropenmedizin, Reisemedizin
und Globale Gesundheit e.V.
 
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Reisen, Klima und Umwelt – Informationen und Ansätze zu Nachhaltigkeit

Inhalt

1 Tourismus, Klima und Umwelt

2 Mobilität 

2.1 Flugverkehr

2.2 CO2-Rechner für Flugreisen und CO2-Kompensation

2.3 Schiffsverkehr und Kreuzfahrtschiffe

2.4 Auto, Bus und Bahn

2.5 E-Mobilität

2.6 Körperliche Mobilität

2.7 Mobilität - Was kann man selbst machen?

3 Beherbergung und Aktivitäten vor Ort

3.1 Was ist bei der Beherbergung und bei Aktivitäten vor Ort zu beachten?

3.2 Was kann man selbst machen?

4 Pharmazeutik und Reisen

Informationen für Reisende

4.1 Einsatz von Medikamenten allgemein

4.2 Was kann man selbst machen?

4.3 Impfstofflagerung auf Vorrat in der Praxis

4.4 Malaria-Notfalltherapie

4.5 Weitere Notfallmedikamente

4.6 Reiseapotheke

Informationen für Ärzte

4.1 Einsatz von Medikamenten allgemein

4.2 Was kann man selbst machen?

4.3 Impfstofflagerung auf Vorrat in der Praxis

4.4 Malaria-Notfalltherapie

4.5 Weitere Notfallmedikamente

4.6 Reiseapotheke

5 Individuelle Gesundheitsvorteile durch nachhaltiges Reisen (Co-Benefits)

6 Zusammenfassung

7 Information

8 Quellen

1 Tourismus, Klima und Umwelt

Reisen ist schön, erholsam, bereichernd. Die Tourismusbranche wächst seit vielen Jahren und günstige Urlaubsangebote ermöglichen immer mehr Menschen Kurzreisen zu sehr günstigen Konditionen und auch Fernreisen. So wichtig kultureller Austausch ist, dürfen die Nachteile der globalen Mobilität nicht ignoriert werden: Reisen schlägt auf die Klimabilanz, birgt Gefahr der Umweltverschmutzung und Naturraumbelastung.

Bei einem klima- und naturverträglichen Tourismus geht es nicht um eine generelle Abkehr vom Reisen, vielmehr ist er im Stande Klima, Natur und Umwelt zu erhalten und zugleich eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region zu ermöglichen.

Rund 5% aller klimaschädlichen CO2-Emissionen, etwas mehr als 1 Milliarde Tonnen Kohlendioxid, entstehen allein durch den weltweiten Tourismus [1]. Davon entfallen 49% auf Transport, 6% auf Beherbergung, 10% auf Verpflegung und 8% auf Service, auch Bereiche wie Landwirtschaft oder Bauwesen mit je 8% bzw. 6% sind relevante Anteile die dem Tourismus zugrechnet werden müssen (Abbildung 1) [1].

Abb 1

Abbildung 1: CO2-Fußabdruck des globalen Tourismus. Quelle: https://sustainabletravel.org/issues/carbon-footprint-tourism/ ; Datenquelle: [2]

Der CO2-Fußabdruck des globalen Tourismus, berechnet in Millionen Tonnen CO2- Äquivalente und nach der Herkunft der Touristen aufgeschlüsselt, zeigt auf, dass Reisende aus den Ländern USA, China und Deutschland an der Spitze der Treibhausgasverursacher stehen [3].

Je nach Reiseszenario unterscheidet sich der touristische Klima-Fußabdruck. Treibhausgasemissionen pro Person und Reise (berechnet als CO2-Äquivalente) für unterschiedliche mögliche Reiseszenarien wie beispielsweise einen Skiurlaub in Österreich (mit dem Pkw) oder einen All-Inclusive-Urlaub in Mexiko (Flugzeug) sind in Abbildung 2 dargestellt. Während der Fernreisende pro Person pro Tag etwa 515,6 kg CO2-Äquivalente verursacht, verursacht der Skiurlauber pro Person pro Tag 60,3 kg CO2-Äquivalente. Der größte Anteil des Klima-Fußabdruckes bei beiden Reisearten entsteht durch den Bereich An- und Abreise, aber auch Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten vor Ort gehen in die Bilanz mit ein [4].

Abb 2

Abbildung 2: Treibhausgasemissionen pro Person und Reise (berechnet als CO2-Äquivalente) (Quelle: WWF 2009 [4])

 

Im Folgenden möchten wir zu den verschiedenen Bereichen des Reisens Hintergrundinformationen zur Klima- und Umweltrelevanz zusammenführen und Möglichkeiten für klima- und naturverträglichen Tourismus aufzeigen.

2 Mobilität

Im Jahr 2016 entstanden 22% aller Transport-Emissionen im Zusammenhang mit Tourismus und trotz der Nachhaltigkeitsprogramme wird für das Jahr 2030 eine ähnliche Prozentzahl prognostiziert [5]. 25% der durch Transport verursachten globalen CO2-Emissionen entfallen fast zu gleichen Anteilen auf Flug- und Schiffsverkehr. Während mit dem Schiff vor allem Waren transportiert werden, handelt es sich beim Flugverkehr vor allem um Personenverkehr. In einigen Ländern, wie beispielhaft in Zypern, auf den Seychellen oder den Malediven verantwortet der internationale Tourismus 30-80% der nationalen CO2-Emissionen [2]. Da Fliegen global gesehen teuer ist und nur von einem kleinen Anteil der Weltbevölkerung genutzt wird, ist ein Bruchteil der Weltbevölkerung für den Großteil der Emissionen durch Flugverkehr verantwortlich [6].

In Abbildung 3 wird der Emissionsvergleich verschiedener Verkehrsmittel im Personenverkehr in Deutschland dargestellt.

 

Abb 3

Abbildung 3: Treibhausgasemissionen im Personenverkehr 2019 (Quelle: Umweltbundesamt 2019 [7])

2.1 Flugverkehr

Durch Flugverkehr kommt es neben CO2-Emission auch zu sogenannten Nicht-CO2-Effekten. Ein Großteil hiervon entsteht durch Wasserdampf, welcher sich in Form von Kondensstreifen manifestiert. In Flughöhe ist die Absättigung der Luft mit Wasserdampf reduziert, der dadurch entstehende Überschuss wird in Eiskristalle umgewandelt und es entstehen künstliche Zirruswolken (= Eiswolke in großer Höhe) (Abbildung 4). Je nach Beschaffenheit, Ausdehnung und Eiskristallgröße hindern Zirruswolken langwellige Wärmestrahlung daran ins All zu entweichen und es kommt zur Lufterwärmung über der Erdoberfläche. Auch wenn eine gleichzeitige Reflektion der UV-Strahlung zu einer Temperaturreduktion führen kann, geht der Weltklimarat Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) davon aus, dass Zirruswolken insgesamt jedoch stärker zur Erderwärmung als zur Erdabkühlung beitragen [8]. Andere Anteile der Flugzeugemissionen führen zu einer Abnahme der Ozonkonzentration in der Stratosphäre. Da Ozon UV-Strahlung absorbiert, hat eine Abnahme des Ozons auch einen erwärmenden Effekt im globalen Wärmehaushalt [9].

Abb 4

Abbildung 4: Zirruswolke (Quelle: Wikipedia Commons [10])

In wissenschaftlichen Studien wurde untersucht, wie Fliegen klimaverträglicher sein könnte. Neben manchen Studien, die sich mit einer angepassten Abweichung der normalen Flughöhe zur Verminderung der klimaschädlichen Effekte beschäftigten [11], gab es auch das Projekt „REACT4C“. Dabei wurde das Klimapotential optimierter Flugrouten durch Nutzung von Wetterinformationen und Vermeidung von Gebieten mit länger andauernder sogenannter Übersättigung (normalerweise wird eine Übersättigung durch eine Phasenumwandlung verhindert) in welchen sich leichter Kondensstreifen bilden können erforscht. Es konnte gezeigt werden, dass durch verbesserte Flugrouten die Auswirkungen auf das Klima bei nur geringem Anstieg der Kosten reduziert werden könnten [12].

2.2 CO2-Rechner und CO2-Kompensation

Die Seite www.ecopassenger.org bietet ein nutzerfreundliches Internet-Tool auf stabiler wissenschaftlicher Grundlage zum Vergleich von Energieverbrauch und CO2- und Schadstoffemissionen des Personentransports im Luft-, Straßen- und Schienenverkehr mit den verlässlichsten und neuesten Daten für alle drei Verkehrsträger (gemeinsam entwickelt von der UIC, der Stiftung für nachhaltige Entwicklung, dem deutschen Institut für Energie- und Umweltforschung und dem Softwarehersteller HaCon).

Es gibt die Möglichkeit verursachte CO2-Emissionen zu kompensieren. Dabei wird der CO2 Ausstoß von einer Reise berechnet und dieses CO2 mit einem Preis beziffert. Dieser Preis kann in verschiedene Nachhaltigkeitsprojekte investiert werden, die so konzeptioniert sind, dass das verursachte CO2 wieder “gebunden” wird. Dies stellt keinen dauerhaften Lösungsansatz dar, da eine wirkliche CO2 Reduktion unumgänglich ist. Zu welchem Ausmaß die Kompensation den entstehenden Schaden lindern kann bleibt zu hinterfragen, eine Kompensation erscheint jedoch besser als keine Kompensation.

Es gibt verschiedene Anbieter zur CO2-Kompensation. Als Beispiel sei Atmosfair (https://www.atmosfair.de/de/kompensieren/flug/) genannt. Dieser Service bietet über die Website gleichzeitig einen CO2-Rechner für Flugreisen und die Möglichkeit das errechnete CO2 zu kompensieren an. Atmosfair errechnet beispielsweise für einen Hin- und Rückflug von München nach New York in der Economy Klasse 3 Tonnen CO2. Als Vergleich kann die durchschnittliche Pro-Kopf-Emission in Deutschland genutzt werden die pro Jahr mit 10,4 Tonnen laut Umweltbundesamt (2018) angegeben wird [13]. Für eine Kompensation via Atmosfair kann dann beispielsweise ein Projekt zu effizienteren Öfen in Ruanda ausgewählt werden, welche weniger Holzbedarf als traditionelle Kochstellen benötigen und damit unter anderem zu einer besseren Klimabilanz beitragen. Die reduzierte Rauchentwicklung in Räumen hat vor allem auf die Gesundheit von Frauen und Kindern zusätzlich positive Effekte [14].

2.3 Schiffsverkehr und Kreuzfahrtschiffe

In den letzten 20 Jahren nahmen die Treibhausgasemissionen des internationalen Schiffsverkehrs um ca. 32% zu [15]. Der reguläre Schiffsverkehr wird vor allem mit Schwerölen betrieben, die meist aus Reststoffen von Raffinerieprozessen gewonnen werden [16]. Fast 70% der Schiffsemissionen entstehen innerhalb eines Abstands von 400 km zur Küste [17]; mit den Schiffsemissionen assoziierte erhöhte Sterblichkeit durch Herzkreislauferkrankungen [18], vorzeitige Todesfälle [19] sowie Entzündungsreaktionen der Lunge [20, 21] wurden berichtet. Durch Ruß geschwärzte Eisberge in der Arktis reflektieren weniger Sonnenlicht; dies trägt zu einem beschleunigten Schmelzprozess der Polkappen bei [22].

Kreuzfahrtschiffe produzieren nicht nur Abgase, sondern auch beachtliche Müllberge. Im Rahmen der All-Inclusive-Verpflegung entstehen zudem große Mengen an Essensabfällen, welche häufig geschreddert im Meer entsorgt werden. Eine Störung des maritimen Ökosystems hierdurch erscheint wahrscheinlich, konnte bisher jedoch nicht sicher nachgewiesen werden [23]. Der restliche Müll, welcher nicht im Meer entsorgt werden darf, ist in Zwischenhäfen sachgerecht zu entsorgen; Entsorgungspraktiken können je nach Land erheblich variieren. Aufgrund des Hotelbetriebes an Bord werden große Mengen an Wasser benötigt, die häufig mittels bordeigener Filteranlage geklärt und ins Meer zurückgeleitet werden. Die Unbedenklichkeit dieses Verfahrens ist nicht immer sicher geklärt [23].

Viele bekannte Reedereien haben in den letzten Jahren Maßnahmen zur Reduktion von Müll und Schadstoffen eingeleitet. Durch Verzicht auf Schweröl unter Einsatz von Flüssigerdgas können Feinstaub- und Schwefelemissionen deutlich gesenkt werden. Die Nutzung dieses alternativen fossilen Brennstoffes, welcher einen höheren Energiebedarf für Lagerung und Kühlung hat und welcher vermehrt Methan freisetzt, wird jedoch kontrovers diskutiert [24]. Weitere Innovationsansätze im Schiffsbetrieb gibt es durch die Nutzung von Brennstoffzellen als alternative Energiequelle, Windunterstützung, Hybridantriebe sowie die Nutzung von Stickoxidkatalysatoren und Rußpartikelfiltern. Landstromanschlüsse können einen wichtigen Beitrag zu nachhaltig verfügbarer Energie sein. Der Hotel- und Gastronomiebetrieb kann durch die Reduktion von Plastik und Einwegartikel, die Nutzung kleinerer Essensportionen, die Wiederverwertung von Essen und den Einkauf lokaler Lebensmittel verbessert werden [25-27]. Unter zusätzlichem Einbezug der Häfen hat sich die Green Marine – Bewegung (https://green-marine.org/) als Programm zur Zertifizierung umweltfreundlicher Schifffahrt etabliert [28].

Ein jährlich aktualisiertes ökologisches Ranking der Reedereien auf dem europäischen Markt kann auf den Seiten des Naturschutzbundes Deutschland e.V. gefunden werden: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/schifffahrt/kreuzschifffahrt/28638.html.

2.4 Auto, Bus und Bahn

Da der Verkehr in Deutschland rund 19% des emittierten CO2 ausmacht, sind hier grundlegende Änderungen nötig, um Klimaneutralität zu erreichen. Wie in Abbildung 3 dargestellt, haben Bus und Bahn eine deutlich bessere Klimabilanz als das Flugzeug und der PKW. Die Bahn hat nicht nur geringere CO2-Emissionen, sondern auch einen geringeren Luftschadstoffausstoß von Stickoxid und Feinstaub. Bei Bussen im Nahverkehr verhält es sich ähnlich, da Linienbusse nur etwa halb so viel Treibhausgase pro Person ausstoßen wie ein PKW. Eine zunehmende Inbetriebnahme von E-Busse im Nahverkehr kann Emissionen weiter senken. Noch eindrucksvoller wird der Unterschied beim Vergleich des PKW bzw. des Flugzeugs mit dem Fernverkehr per Bus und Bahn. Das Flugzeug erzeugt einen Treibhausgasausstoß von etwa 214 g/Personenkilometer (Pkm) (bei einer Personenauslastung von 70%) und der PKW einen Treibhausgasausstoß von etwa 154 g/Pkm (bei einer durchschnittlichen Auslastung von 1,4 Personen pro PKW). Bus und Bahn sind hier wesentlich klimafreundlicher: die Bahn stößt 29 g/Pkm Treibhausgase aus (bei einer durchschnittlichen Auslastung von 56%) und der Bus ebenso 29 g/Pkm (bei einer durchschnittlichen Auslastung von 54%). Bus und Bahn sind also die sehr viel klimaverträglicheren Alternativen – 1 Flugreisender entspricht 8 bzw. 5 Reisenden mit Bahn und Bus (Abbildung 3) [29].

 

2.5 E-Mobilität

Die Anzahl der Zulassungen an reinen batteriebetriebenen Elektroautos nahm über die letzten Jahre stetig zu. Im Jahr 2020 wurden ungefähr dreimal so viele reine Elektroautos in Deutschland zugelassen wie im Jahr 2019 und 2021 scheint sich der Trend fortzusetzen [30]. Von den reinen batteriebetriebenen Elektroautos gilt es teilelektrische Autos, wie Plug-In-Hybridfahrzeuge, zu unterscheiden. Diese werden normalerweise auch unter Elektromobilität angegeben [30]. In Bezug auf die Klimabilanz gibt es bei Elektroautos bzw. Elektromobiliät mehrere Aspekte zu beachten. Elektrofahrzeuge stoßen im Betrieb zwar kein CO2 aus, doch spielt die Art der Erzeugung des Stroms der für den Betrieb notwendig ist eine entscheidende Rolle; Strom aus einem Kohlekraftwerk hat beispielsweise einen größeren CO2-Abdruck als Strom aus erneuerbaren Energien [31].

In der Abbildung 5 wird ersichtlich, wie sich CO2-Emissionen über den Lebenszyklus eines Autos pro Fahrzeugkilometer auswirken. Ein Lebenszyklus beinhaltet Produktion, Wartung, Entsorgung, Fahrbetrieb und Energiebereitstellung. Da sich die Energiebereitstellung für den Fahrbetrieb in den nächsten Jahren hin zu mehr erneuerbaren Energien entwickeln sollte, werden die CO2-Emissionen bei den Elektroautos im Jahr 2025 eindeutig niedriger angegeben [31].

Abb 5

Abb. 5: CO2-Emissionen pro Fahrzeugkilometer über den gesamten Lebenszyklus [31].

E-Mobilität bietet eine emissionsarme Mobilitätsoption die auch im Urlaub per E-Fahrrad, E-Roller oder ggf. E-Auto nutzbar sein kann und klimaverträglicher als Mobilität durch Verbrennungsmotoren ist; assoziierte umweltrelevante Aspekte wie Gewinnung seltener Erden für die Herstellung der Akkus und deren Entsorgung dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

2.6 Körperliche Mobilität

Die „körperliche Mobilität“ kann als Teil eines gesunden (und nachhaltigen!) Urlaubs nur empfohlen werden: körperliche Bewegung ist (gerade auch für Ältere) das A und O! Urlaub mit dem Fahrrad (oder E-bike) und ebenso Wanderurlaube verbinden beides: Klima- und Umweltschutz und nachhaltige Unterstützung der Gesundheit. Im eigenen Land oder sogar wohnortnah gibt es meist mehr ausgebaute Infrastruktur für erfüllende Wanderungen per Rad oder Pedes; beispielhaft sei hier das Radfernwegnetz Deutschlands vorgestellt (Abbildung 6).

Abb 6

 
Abbildung 6: Radfernwegnetz Deutschland. Quelle: http://www.fahrradbibliothek.de/angebote/downloads-fernradwege-europa.html .

2.7 Mobilität - Was kann man selbst machen?

Wie dargestellt, wirken sich vor allem die Nutzung des Flugzeugs und des PKWs besonders negativ hinsichtlich der Klimabilanz aus. Wer statt des Autos oder des Flugzeugs mit Bus und Bahn anreist und beispielsweise vor Ort einen Leihwagen nutzt oder optimalerweise das Fahrrad, hat schon einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz geleistet und tut im Falle des Fahrrads auch noch etwas Gutes für die eigene Gesundheit. Falls eine Anreise mit dem PKW erfolgt, wird die Nutzung aller Sitze empfohlen. Auch sollte kritisch überprüft werden, ob eine Fernreise notwendig ist; wenn ja, ist es klimaverträglicher, als auch für die Gesundheit zuträglicher, eine lange Reise zu planen als mehrere Kurzreisen. Bei Geschäftsreisen empfiehlt sich immer die Prüfung, ob eine persönliche Anreise wirklich notwendig ist oder ob zum Beispiel eine Online-Konferenz auch dienlich sein kann.

Die Möglichkeit einer wirklich nachhaltigen Kreuzfahrtreise gibt es aktuell noch nicht. Dennoch kann der Einzelne einen Beitrag dazu leisten, dass eine Kreuzfahrt weniger umweltschädlich werden kann durch: Wahl einer nachhaltig arbeitenden Reederei, ; Mülltrennung an Bord; Tragebeutel und wiederverwertbare Trinkflasche für Hafentage; Start- und Zielhafen möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen; nachhaltige Ausflüge vor Ort wählen; kleinere Portionen am Buffet und ggf. Nachschlag holen; Lichter in Kabinen beim Verlassen ausschalten; Kompensationsbeitrag entrichten (z.B. via atmosfair, siehe oben) [26, 32].

3 Beherbergung und Aktivitäten vor Ort

Mit den Stichworten „Klimaschädlichkeit“ und „Tourismus“, werden meist in erster Linie Fernflüge oder Kreuzfahrten in Verbindung gebracht. Der Reise-CO2-Fußabdruck wird neben der Mobilität aber auch durch die Beherbergungsart und den Aktivitäten innerhalb des Reiselandes beeinflusst.

Neuere Studien zum touristischen Klimafußabdruck legen nahe, dass statt der bisher angenommenen 5% sogar 8% der globalen Treibhausgasemissionen durch den globalen Tourismus verursacht werden. Neuere Berechnungen zum Tourismus in 189 Ländern beinhalten Daten, welche unter anderem auch die Erzeugung von Speisen und Getränken beim touristischen Klima-Fußabdruck berücksichtigen. Damit finden die Tourismusbranchen Beherbergung und Aktivitäten vor Ort hinsichtlich ihrer Klimaschädlichkeit mehr Aufmerksamkeit [3].

3.1 Was ist bei der Beherbergung und bei Aktivitäten vor Ort zu beachten?

Die Bereiche Beherbergung und Aktivitäten vor Ort tragen gemeinsam zu etwa einem Viertel zum touristischen Klima-Fußabdruck bei. Die Emissionslast durch die Hotellerie hängt von Faktoren wie Größe des Betriebs, Ausstattung, Energieeffizienz der Gebäude, Mobilität, Reinigung, Wäsche sowie Speisen und Getränken ab. Ein Hotelgast in einem Schweizer 3 Sterne Hotel verbraucht 14,3 kg CO2-Äquivalente pro Nacht, in einem 5 Sterne Hotel sind es hingegen mit 33,1 kg mehr als doppelt so viele CO2-Äquivalente pro Nacht.

Als klimafreundliche Biohotels werden Hotels bezeichnet, die Maßnahmen zur Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks ergreifen und so die Emissionen unter 10 kg CO2 pro Gast und Nacht senken. Besonders beim Speiseangebot sind Einsparungen für Hotels möglich, indem bevorzugt regionale Lebensmittel mit geringeren Transportemissionen verarbeitet werden oder vermehrt vegetarische Gerichte angeboten werden [4, 33].

Die Wissenschaft bemüht sich um die Entwicklung von Indikatoren, die Nachhaltigkeit in Hotelanlagen objektiv messen können. Dabei werden Indikatoren in verschiedenen Kategorien wie Umweltmanagement, Wirtschaftsmanagement, soziokulturelles Management, Wissenschaft und Technologie, Human Ressource Management oder auch Regierungsrichtlinien erhoben. Das im wissenschaftlichen Rahmen ausgearbeitete Konzept zeigt einzelne Stellschrauben zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Hotelbetrieb auf. So fällt beispielsweise die Berechnung des Anfahrtswegs der Mitarbeiter, die Verwendung erneuerbarer Energien in der Anlage, der Einsatz von Hybrid-Fahrzeugen als Shuttle-Service in Hotelanlagen oder auch das Bereitstellen von Hinweisschildern für Touristen zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen unter den Aspekt Umweltmanagement. Ein Beispiel für die Kategorie Human Resource Management ist die regelmäßige Schulung des Personals hinsichtlich der Reduktion des Energie- und Wasserverbrauchs oder der Abfallvermeidung [34].

3.2 Was kann man selbst machen?

Anstelle von großen, Ressourcen-verbrauchenden (Wasser, Strom, Lebensmittel) Hotelanlagen sollten lokale Pensionen oder authentische Aufenthalte bei Einheimischen bevorzugt werden [35]. Folgend eine beispielhafte Übersicht über die praktische Anwendung vom „Slow Travel“ Prinzip auf Beherbergung und Aktivitäten vor Ort, welche beliebig erweiterbar ist:

Beherbergung:

  1. Reiseportale mit Gütesiegel zur Einhaltung sozialer, ökonomischer und ökologischer Standards für Buchung der Unterkunft (Auswahl):
  • CSR Tourism Siegel, Tour Cert, Viabono Zertifikat, Green Global certification, Green Sign, Ecocamping Sigel, Ibex fairstay, Travelife Sustainability in Tourism

Die Standards der Nachhaltigkeitssiegel sind jedoch nicht einheitlich geregelt oder gleichermaßen streng und müssen daher vom Reisenden individuell auf Plausibilität und Wertigkeit geprüft werden.

  1. Reiseportale mit Datenbanken zu nachhaltigen Unterkünften (Auswahl):
  • BioHotels, Green Key Global, Ecobnb, Good Travel, Greenhotelworld, Greenpearls, Greenline-Hotels, Greenhotelworld

Mögliche Nachhaltigkeits-Indikatoren können sein: keine ungefilterte Ableitung von Abwasser ins Meer, Erwärmung des Pools nur mittels Sonnenenergie, Verwendung regionaler Lebensmittel und vieles mehr.

  1. Unterkünfte in landestypischer Architektur (lokale Materialien) oder Camping wählen
  1. Ressourcen in Unterkünften sparen (Auswahl):
  • Handtücher mehrmals nutzen, keine Wegwerf-Pflege Produkte im Bad nutzen
  • Wasser/Strom Sparen durch Ausschalten der Klimaanlagen und des Lichts bei Verlassen des Zimmers
  1. Kein All-Inclusive Urlaub, da viele Lebensmittel günstig eingekauft werden müssen (Preisdruck), besser Nutzung regionaler Restaurants

Aktivitäten vor Ort

  1. Strände mit Umweltsiegel Blaue Flagge
  • Auszeichnung für die Nachhaltigkeit von Stränden
  • Jährliche Kontrolluntersuchungen hinsichtlich Wasserqualität und Umweltmanagement
  1. Ausflüge im Reiseland
  • Möglichst keine Papierkarten, besser Offline-Karten auf das Smartphone laden
  • Reisedokumente und Tickets möglichst digital
  • Beteiligung an Clean-Ups (Putzaktionen) vor Ort
  • Auf befestigten Wegen bleiben, insbesondere in Naturschutzgebieten
  • Sich mit anderen Reisenden zusammenschließen und Fahrgemeinschaften bilden
  • Klimafreundliche Transportmittel nutzen: Öffentlicher Nahverkehr aber auch Fortbewegung zu Fuß, Fahrrad (E-Bikes, Scooter), Kanu statt Quads oder Helikopter-Rundflüge
  • Aktivitäten an das Reiseland anpassen
  1. Verpflegung im Reiseland
  • Zur Müllvermeidung wiederverwendbare Trinkflaschen oder Brotdosen statt Plastik-Einmalgeschirr nutzen, keine Plastiktüten verwenden
  • Verpflegung möglichst mit lokalen Produkten
  1. Reiseveranstalter
  • Ortsansässige Touranbieter für Tagesausflüge mit fairen Löhnen für Mitarbeiter und Einsatz für den Erhalt der Natur (z.B. TourCert)
  • „Fairaway“ -Reiseveranstalter für nachhaltige Reisen
  • „Forum anders reisen“
  1. Sonstiges
  • Eigene Kosmetik verwenden, die biologisch abbaubar ist, z.B. Sonnencreme ohne Mikroplastik
  • Neben dem Transport kann man zusätzlich für die Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten etc. CO2 kompensieren, z.B. bei Atmosfair CO2 Emissionen des Transports errechnen und kompensieren
  • Datennutzung optimieren. Idealerweise lieber Land und Leute genießen als überhaupt im Netz zu surfen. Für das Versenden von Fotos/Videos an die Liebsten oder den abendlichen Film am besten ein W-Lan und ein kleines Endgerät nutzen, um die CO2-Emissionen zu minimieren (2g CO2/h bei Videostream in HD-Qualität per Glasfaserkabel im WLAN vs. 90g CO2/h bei Nutzung von UMTS/3G). Für Routenplanung offline-Karten verwenden [36]

Eine Auswahl an entsprechenden Links:

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/weltweit/naturschutzprojekte/international_oekotourismus.html

https://www.bfn.de/themen/tourismus-sport/tourismus/oekotourismus.html

https://www.urlaubstracker.de/oekotourismus/

https://forumandersreisen.de/ueber-uns/tipps-zum-nachhaltigen-reisen/

https://lichterderwelt.de/nachhaltig-reisen/

https://reisefroh.de/nachhaltig-reisen/

https://www.careelite.de/nachhaltigkeit-tourismus-nachhaltig-reisen/

https://utopia.de/ratgeber/nachhaltig-reisen-oeko-reiseportale/

https://fliegen-und-klima.de/

https://www.atmosfair.de/de/gruenreisen/klimafreundlich_reisen/

https://www.unwto.org/

https://www.Klimadocs.de

4 Pharmazeutik und Reisen

In der pharmazeutischen Industrie gibt es schon seit einigen Jahren Bestrebungen hinsichtlich der Entwicklung, der Produktion als auch des Transportes von Medikamenten und Impfstoffen nachhaltiger zu agieren. Dies zeigt sich in Verbünden wie der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (efpia), die im Rahmen von Innovative Medicines Initiative (IMI) nachhaltige Projekte im pharmazeutischen Bereich entwickeln [37]. Die Überschneidungen in der Thematik Pharmazeutik und nachhaltiges Reisen sind nichtsdestotrotz nicht auf den ersten Blick offensichtlich. Der Themenkomplex ist jedoch aus mehreren Blickwinkeln im Rahmen Nachhaltigkeit zu erschließen, wobei es lohnenswert ist sich zunächst allgemein der Thematik zu widmen.

Informationen für Reisende

4.1 Einsatz von Medikamenten allgemein

Medikamente sollten aus vielerlei Gründen so wenig wie möglich eingesetzt werden. Ein Grund dafür ist u.a. auch die mögliche Umweltbelastung durch Abbauprodukte von Medikamenten sowie die potentielle Umwandlung von diesen in eine aktive, nicht selten toxische Form im Ökosystem [38]. Dies belastet nicht nur das Wassersystem, sondern auch Tiere und (Nutz)pflanzen, die diese aufnehmen [39]. Kläranlagen können nicht, auch nicht in Deutschland, alle Rückstände von Medikamenten aus dem Wasser filtern. In Ländern ohne entsprechende Abwassersysteme ist dies noch relevanter.  

Dies gilt nicht nur für verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch für rezeptfreie Medikamente wie beispielhaft Ibuprofen oder Diclofenac. Hier konnte anhand der Wassermessstellen in Deutschland nachgewiesen werden, dass beispielhaft Diclofenac häufig in erhöhten Werten nachgewiesen wird. Diese Dosis stellt für uns als Menschen erst einmal keine direkte Gefährdung dar, jedoch für das Tierreich und indirekt damit auch für uns [40]. Bei Fischen führt dies beispielhaft zu Nierenschäden und Auslösung von Entzündungsprozessen [41, 42]. Auch Rückstände weiterer Medikamente wie Östrogene werden regelmäßig überwacht und gemessen; aufgrund der Anreicherung im Ökosystem kommt es beispielhaft bei Fischen durch Östrogene zu einer Veränderung der Geschlechterverhältnisse und Beeinträchtigung der Vermehrung und dies hat wiederum Einfluss auf die Nahrungsvielfalt des Menschen [41, 42].

Wer Interesse an der Nachhaltigkeit von Medikamenten hat, kann die schwedische “Wise List” (auf Englisch und Schwedisch) nutzen [43]. Seit der Nutzung dieser Liste von Ärzten und Apotheken in Schweden zeigt sich eine deutliche Reduktion des Verbrauchs von Medikamenten, welche nicht auf der Liste enthalten sind (und eine schlechte Nachhaltigkeitsbilanz haben) und ein entsprechend geringerer Nachweis dieser Medikamente in der Umwelt [44].

Mit Medikamentenerwerb und Einnahme ist auch ein Abfallmanagement verbunden. Was ist mit verfallenen Medikamenten zu tun? In Deutschland gibt es dazu keine einheitliche Regelung. Apotheken können auf freiwilliger Basis verfallene Medikamente entgegennehmen. Die Webseite www.arzneimittelentsorgung.de beantwortet die Frage der Entsorgung für die einzelnen Städte in Deutschland, wobei in über 80% der Fälle eine Entsorgung über den Hausmüll aufgrund der Abfallentsorgung und Aufbereitung in Deutschland möglich ist. Dies ist in anderen Ländern nicht der Fall, da die Abfallentsorgung unterschiedlich geregelt wird. Im europäischen Urlaub kann die Entsorgung von Medikamenten unter www.medsdisposal.eu überprüft werden. Im Zweifelsfall sollte in der Apotheke, in der das Medikament erworben wurde, nach nachhaltigen Entsorgungsmöglichkeiten gefragt werden.

4.2 Was kann man selbst machen?

Wie kann in der Reisemedizin im Bereich Pharmazie nachhaltiger vorgegangen werden? Bei dieser Thematik steht vor allem die reisemedizinische Beratung im Rahmen der Reisevorbereitung im Fokus. Hier können unter anderem Notwendigkeit, Auswahl und Entsorgung von Medikamenten der Reiseapotheke und auch umweltrelevante Aspekte des Impfens wie Impfindikationen, Impforganisation und Impfstofflagerung diskutiert werden.

4.3 Impfstofflagerung auf Vorrat in der Praxis

Impfen ist im Zusammenhang mit dem Reisen ein relevantes Thema, jedoch auch aus Gründen der Nachhaltigkeit: optimalerweise werden Erkrankungen durch Impfung verhindert und es entfällt die mögliche Notwendigkeit einer Therapie und auch das Risiko eines Eintrags in die heimische Vektorenwelt (z.B. Mücken, Zecken) bei Rückkehr. Das Risiko eines Eintrags besteht natürlich auch für Erkrankungen, gegen die wir nicht impfen können wie Chikungunya; hier zeigt sich, dass neben der klimatisch bedingten Verschiebung von Vektorgrenzen (d.h. bestimmte Mückenarten wie Aedes finden Einzug in Regionen in denen sie vorher nicht heimisch waren) auch entsprechende Erreger u.a. auch durch den Reiseverkehr eingetragen werden können [45].

4.4 Malaria-Notfalltherapie

Die tägliche Einnahme von Medikamenten im Urlaub aus Vorsichtsmaßnahme ist nur Reisen in Hochrisikogebiete notwendig, bei Reisen in Gebiete mit niedrigem Risiko wird eine Notfalltherapie als Präventionsmaßnahme empfohlen. Aus Sicherheitsgründen sollen diese Notrall-Malariamedikamente aufgrund des Risikos von Arzneimittelfälschungen mitgenommen und nicht vor Ort gekauft werden [46]. Nach der Reise schlummern diese dann häufig ungebraucht in heimischen Arzneischränken bis das Verfallsdatum überschritten ist. Häufig wird eine ungebrauchte Notfalltherapie von Reisenden die einen ähnlichen Trip schon vorgenommen haben, innerhalb von Familie und Freunden „verliehen“. Dabei sollte Folgendes beachtet werden:

  1. Handelt es sich um das besprochene Medikament in der korrekten Dosierung und Menge?
  2. Wurden die Medikamente auch im Ausland korrekt gelagert?

Was bedeutet korrekte Lagerung? Das heißt trockene Lagerung, die Umverpackung ist nicht beschädigt, das Verfallsdatum nicht erreicht, die Medikamente wurden keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt und bei geeigneten Temperaturen gelagert. In den meisten Fällen ist davon auszugehen, dass dies nicht sicher gewährleistet werden kann. Unabhängig von Malariamedikamenten sollte bei Medikamentenmitnahme immer darauf hingewiesen werden, dass der Transport und die Lagerung für Medikamente und deren Wirkung essentiell sind. Um gerade in tropischem und subtropischem Klima eine korrekte Lagerung zu gewährleisten kommen zum Beispiel Taschen zum Einsatz, welche die Temperatur halten und im Bedarfsfall mit Kühlpacks ausgestattet werden können. Hier sollte man auf Firmen achten, welche die Restriction of Hazardous Substances (RoHS) [47] umsetzen, so dass diese Verpackungen frei von schädigenden Stoffen wie z.B. PBB sind.

Die Lagerung wird in Zukunft unter den klimatischen Veränderungen nicht nur in den Ländern des globalen Südens sondern auch in unseren Breiten eine zunehmende Rolle spielen; Lagerung und Produktion von Medikamenten werden bei steigenden Temperaturen zunehmend problematischer.

4.5 Weitere Notfallmedikamente

Benötigt man ein Notfall-Antibiotikum? Dies sollte nur in wirklich begründeten Fällen mitgenommen werden. Die meisten Reisen finden in Gebiete statt, in denen das Gesundheitssystem ausreichend funktioniert, um ein Antibiotikum nach ärztlichem Rat zu erhalten. Ob, wie lange und welches Antibiotikum sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab, welche vor einer Reise nicht bekannt sind. Wenn das Medikament vor Ort in Selbstmedikation genommen wird, besteht u.a. das Risiko falscher Indikation, falscher Dosierung oder Kontraindikation und schadet zuallererst einem selber aber auch der Umwelt.

4.6 Reiseapotheke

Sinnvollerweise wird in Abhängigkeit des Bedarfes auf Reisen eine Auswahl an Medikamenten, Verbandszeug usw. mitgenommen. Hier kann bei der Verpackung auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Häufig werden Medikamente und Kosmetika in Spraydosen angeboten. Schon seit langem wird dafür kein Fluochlorkohlenwasserstoff (FCKW) mehr eingesetzt und in Deutschland gelten sie aufgrund des Recyclings als weniger umweltschädlich. In Deutschland erworbene und entsorgte Spraydosen sind als relativ unproblematisch anzusehen. Bei Erwerb und Entsorgung von Spraydosen in Ländern ohne entsprechende Regelung sollte geprüft werden, ob diese wirklich Schadstoffarm produziert worden sind und auch einer geordneten Entsorgung zugeführt werden können. Die neuere Methode des „bag on valve filling aerosol packaging“ sorgt dafür, dass es zwischen genutztem Gasgemisch und versprühten Agens nicht mehr zu einer Reaktion kommt und dass eine vollständigere Ausnutzung des Inhaltes möglich ist. Diese Technologie ist noch nicht flächendeckend umgesetzt, der Ansatz erscheint jedoch vielversprechend [48].

Abschließend kann im Bereich Pharmazie beim nachhaltigen Reisen Folgendes als relevant betrachtet werden:

  1. Impfen nach offiziellen Empfehlungen um das Individuum zu schützen und den Eintrag von Erkrankungen zu reduzieren
  2. Medikamente hinsichtlich der Nachhaltigkeit überprüfen und ggf. Vergleichspräparate mit besserer Nachhaltigkeitsbilanz nutzen
  3. Vermittlung des Wissens, dass in Apotheken in Entwicklungsländern teilweise gefälschte Medikamente verkauft werden
  4. Medikamente und Transportgüter von Firmen kaufen die nachhaltig arbeiten und sich an die RoHS halten
  5. Medikamente korrekt lagern und bei Erwerb auf eine lange Haltbarkeitsdauer achten
  6. Nur Medikamente einnehmen, die notwendig sind damit eine zusätzliche Belastung des Ökosystems verhindert wird
  7. Verfallene Medikamente umweltgerecht entsorgen.

Informationen für Ärzte

4.1 Einsatz von Medikamenten allgemein

Medikamente sollten aus vielerlei Gründen so restriktiv wie möglich eingesetzt werden. Ein Grund dafür ist u.a. auch die mögliche Umweltbelastung durch Abbauprodukte von Medikamenten sowie die potentielle Umwandlung von Metaboliten in eine aktive, nicht selten toxische Form im Ökosystem [38]. Dies belastet nicht nur das Wassersystem, sondern auch Tiere und (Nutz)pflanzen, die diese aufnehmen [39]. Im Regelfall wird man davon ausgehen, dass Kläranlagen für eine ausreichende Elimination sorgen. In vielen Studien konnte hingegen nachgewiesen werden, dass die vollständige Elimination vieler Medikamente über eine Kläranlage oder additive Ozonierung nicht möglich ist [38]. Zu bedenken ist, dass dies auch in Deutschland bei einem formal funktionierenden Abwassersystem der Fall ist. In vielen Ländern des globalen Südens wird ein funktionierendes Abwassersystem nicht vorgehalten. Neben den aktiven anthropogenen Ausscheidungen von Medikamenten werden viele der Medikamente, die weltweit genutzt werden, in diesen Ländern produziert und die Abwässer der pharmazeutischen Industrie häufig ungefiltert in die Umgebung abgegeben. Dies führt am Beispiel der Antibiotikaproduktion zu der Gefahr einer Zunahme von multiresistenten Erregern, die über das Wasser durch Menschen, Pflanzen und Tiere wieder aufgenommen werden können [49].

Diese Problematik gilt jedoch nicht nur für verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch weltweit für rezeptfreie Medikamente wie beispielhaft Ibuprofen oder Diclofenac. Hier stellt sich die provokante Frage: ist Diclofenac beispielhaft in Salben medizinisch sinnvoll bzw. nachhaltig? Stellt es ein relevantes Problem für die Umweltbelastung in Deutschland dar? In Deutschland werden jährlich 85 Tonnen Diclofenac verbraucht; Diclofenac ist auf der EU-Watch Liste enthalten und überschritt in Deutschland an circa drei Viertel der Wassermessstellen der Bundesländer ein Überschreiten der PNEC Werte (=Predicted no effect concentration) [40]. Das heißt die Schwelle, bei der Effekte auf das Ökosystem möglich sein könnten, wurde überschritten. Die gemessenen Werte sind für den Menschen nicht in therapeutischer Dosishöhe, sie können jedoch exemplarisch auf Fische Einfluss haben und in der Folge bei diesen zu Nierenschäden und Auslösung von Entzündungsprozessen führen [41, 42]. Auch Rückstände weiterer Medikamente wie Östrogene werden regelmäßig überwacht und gemessen; aufgrund der Anreicherung im Ökosystem kommt es beispielhaft bei Fischen durch Östrogene zu einer Veränderung der Geschlechterverhältnisse und Beeinträchtigung der Vermehrung und dies hat wiederum Einfluss auf die Nahrungsvielfalt des Menschen [41, 42].

Um die Fragen zu beantworten welche Medikamente unter Nachhaltigkeitsaspekten vorrangig verschrieben werden sollten, wurde in Schweden die “Wise List” (auf Englisch und Schwedisch) entwickelt [43]. Darüber hinaus wird in schwedischen Apotheken bei freiverkäuflichen Medikamenten auf das Nachhaltigkeitsrisiko hingewiesen. Seit der Nutzung dieser Liste in Schweden zeigt sich eine deutliche Reduktion von Medikamenten, welche nicht auf der Liste enthalten sind (und eine schlechte Nachhaltigkeitsbilanz haben) und ein entsprechend geringerer Nachweis dieser Medikamente in der Umwelt [44].

Mit Medikamentenerwerb und Einnahme ist auch Abfallmanagement verbunden. Was ist mit verfallenen Medikamenten zu tun? In Deutschland gibt es dazu keine einheitliche Regelung. Apotheken können auf freiwilliger Basis verfallene Medikamente entgegennehmen. Die Webseite www.arzneimittelentsorgung.de beantwortet die Frage der Entsorgung für die einzelnen Städte in Deutschland, wobei in über 80% der Fälle eine Entsorgung über den Hausmüll aufgrund der Abfallentsorgung und Aufbereitung in Deutschland möglich ist. Dies ist in anderen Ländern nicht der Fall, da die Abfallentsorgung unterschiedlich geregelt wird. Im europäischen Urlaub kann die Entsorgung von Medikamenten unter www.medsdisposal.eu überprüft werden. Im Zweifelsfall sollte in der Apotheke, in der das Medikament erworben wurde, nach Entsorgungsmöglichkeiten gefragt werden. Eine davon könnte ein aktuelles Forschungsprojekt der Pharmazeutischen Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg sein, die sich mit der Rückgewinnung von Chemikalien aus Altarzneimitteln zur anschließenden Nutzung in Forschung und Ausbildung beschäftigt.

4.2 Was kann man selbst machen?

Wie kann in der Reisemedizin im Bereich Pharmazie nachhaltiger vorgegangen werden? Bei dieser Thematik steht vor allem die reisemedizinische Vorstellung im Rahmen der Reisevorbereitung im Fokus. Hier können unter anderem Notwendigkeit, Auswahl und Entsorgung von Medikamenten der Reiseapotheke und auch umweltrelevante Aspekte des Impfens wie Impfindikationen, Impforganisation und Impfstofflagerung diskutiert werden.

4.3 Impfstofflagerung auf Vorrat in der Praxis

In vielen Praxen wird beklagt, dass Impfungen, sofern sie bevorratet werden, nicht in Großpackungen, sondern nur in Einzelpackungen mit entsprechender Umverpackung angeboten werden.

Hier wird dezidiert das Problem der Müllentstehung diskutiert. Leider ist die Einflussnahme auf das Angebot unterschiedlicher Verpackungsgrößen der Impfstoffe gering. Sicher hilfreich erscheint aus Nachhaltigkeitssicht, als auch aus ökonomischer Sicht, eine „vorsichtige“ Bevorratung, da das Verwerfen von Arzneimitteln nicht nachhaltig ist. Alternativ kann angefragt werden, ob Medikamente vor Ablauffrist zurückgegeben werden können oder ein Netzwerk aufgebaut werden kann um Impfstoffvorrat innerhalb eines Praxisnetzwerkes gemeinsam zu bevorraten. Bei dieser Thematik muss jedoch ausdrücklich auf das Arzneimittelgesetz verwiesen werden, welches die Weitergabe von Medikamenten regelt.

Impfen ist jedoch auch aus einem anderen Aspekt nachhaltig: optimalerweise werden Erkrankungen durch Impfung nicht erworben und es entfällt die mögliche Notwendigkeit einer Therapie und auch das Risiko eines Eintrags in die heimische Vektorenwelt bei Rückkehr. Das Risiko eines Eintrags besteht natürlich auch für Erkrankungen, gegen die wir nicht impfen können wie Chikungunya; hier zeigt sich, dass neben der klimatisch bedingten Verschiebung von Vektorgrenzen (d.h. bestimmte Mückenarten wie Aedes finden Einzug in Regionen in denen sie vorher nicht heimisch waren) auch entsprechende Erreger u.a. auch durch den Reiseverkehr eingetragen werden können [45].

4.4 Malaria-Notfalltherapie

Wer kennt das Problem der Malaria-Notfalltherapie nicht? Diese wird von Reisenden häufig eher akzeptiert, als eine Chemoprophylaxe. Aus Sicherheitsgründen soll diese aufgrund des Risikos von Arzneimittelfälschungen mitgenommen und nicht vor Ort gekauft werden [46]. Diese Medikamente schlummern dann häufig ungebraucht in heimischen Arzneischränken bis das Verfallsdatum überschritten ist. Häufig wird eine ungebrauchte Notfalltherapie von Reisenden die einen ähnlichen Trip schon vorgenommen haben, innerhalb von Familie und Freunden „verliehen“. Dabei sollte Folgendes beachtet werden:

  1. Handelt es sich um das besprochene Medikament in der korrekten Dosierung und Menge?
  2. Wurden die Medikamente auch im Ausland korrekt gelagert?

Was bedeutet korrekte Lagerung? Das heißt trockene Lagerung, die Umverpackung ist nicht beschädigt, das Verfallsdatum nicht erreicht, die Medikamente wurden keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt und bei geeigneten Temperaturen gelagert. In den meisten Fällen ist davon auszugehen, dass dies nicht sicher gewährleistet werden kann. Unabhängig von Malariamedikamenten sollte bei Medikamentenmitnahme immer darauf hingewiesen werden, dass der Transport und die Lagerung für Medikamente und deren Wirkung essentiell sind. Um gerade in tropischem und subtropischem Klima eine korrekte Lagerung zu gewährleisten kommen zum Beispiel Taschen zum Einsatz, welche die Temperatur halten und im Bedarfsfall mit Kühlpacks ausgestattet werden können. Hier sollte man auf Firmen achten, welche die Restriction of Hazardous Substances (RoHS) [47] umsetzen, so dass diese Verpackungen frei von schädigenden Stoffen wie z.B. PBB sind.

Die Lagerung wird in Zukunft unter der klimatischen Veränderung nicht nur in den Ländern des globalen Südens sondern auch in unseren Breiten eine zunehmende Rolle spielen; Lagerung und Produktion von Medikamenten werden bei steigenden Temperaturen zunehmend problematisch.

4.5 Weitere Notfallmedikamente

Häufig fragen Reisende an, ob es möglich sei ein Notfall-Antibiotikum verschrieben zu bekommen. Dies sollte nur in wirklich begründeten Fällen erfolgen, bzw. mitgenommen werden. Im Regelfall reisen die meisten Reisenden in Gebiete, in denen das Gesundheitssystem ausreichend funktioniert, um ein Antibiotikum nach ärztlichem Rat zu erhalten. Ob, wie lange und welches Antibiotikum sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab, welche vor einer Reise nicht bekannt sind. Wenn das Medikament vor Ort in Selbstmedikation genommen wird, besteht u.a. das Risiko falscher Indikation, falscher Dosierung oder Kontraindikation und schadet zuallererst dem Reisenden aber auch der Umwelt.

4.6 Reiseapotheke

Sinnvollerweise wird in Abhängigkeit des Bedarfes auf Reisen eine Auswahl an Medikamenten, Verbandszeug usw. mitgenommen. Hier kann bei der Verpackung auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Häufig werden Medikamente und Kosmetika in Spraydosen angeboten. Schon seit langem wird dafür kein Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) mehr eingesetzt und in Deutschland gelten sie aufgrund des Recyclings als weniger umweltschädlich. In Deutschland erworbene und entsorgte Spraydosen sind als relativ unproblematisch anzusehen. Bei Erwerb und Entsorgung von Spraydosen in Ländern ohne entsprechende Regelung sollte geprüft werden, ob diese wirklich Schadstoffarm produziert worden sind und auch einer geordneten Entsorgung zugeführt werden können. Die neuere Methode des „bag on valve filling aerosol packaging“ sorgt dafür, dass es zwischen genutztem Gasgemisch und versprühten Agens nicht mehr zu einer Reaktion kommt und dass eine vollständigere Ausnutzung des Inhaltes möglich ist. Diese Technologie ist noch nicht flächendeckend umgesetzt, der Ansatz erscheint jedoch vielversprechend [48].

Abschließend kann im Bereich Pharmazie beim nachhaltigen Reisen Folgendes als relevant betrachtet werden:

Worauf sollte man als Arzt achten?

  1. Impfstoffbevorratung mit möglichst langen Haltbarkeitsdaten, bedarfsorientiert und wenn möglich in Großverpackung erwerben um Müllentstehung zu vermeiden
  2. Impfen nach offiziellen Empfehlungen um u.a. den Eintrag von Erkrankungen zu reduzieren
  3. Bei Neurezeptierung eines Medikamentes für Chroniker zunächst nur eine N1 Packung verschreiben, so dass bei Nichtnutzung oder Wechsel möglichst wenig des Medikamentes verworfen werden muss.
  4. Medikamente hinsichtlich der Nachhaltigkeit überprüfen und ggf. Vergleichspräparate mit besserer Nachhaltigkeitsbilanz nutzen
  5. Rezepte nur verschreiben, wenn gewährleistet ist, dass das Medikament auch entsprechend genutzt werden wird, bzw. eine Absprache getroffen wird wann und warum es eingelöst werden soll
  6. Vermittlung des Wissens, dass in Apotheken in Ressourcen-schwachen Ländern teilweise gefälschte Medikamente verkauft werden

Worauf sollte man Reisende nun hinweisen?

  1. Medikamente und Transportgüter von Firmen kaufen, die nachhaltig arbeiten und sich an die RoHS halten
  2. Medikamente korrekt lagern und bei Erwerb auf eine lange Haltbarkeitsdauer achten
  3. Nur Medikamente zu sich nehmen, die notwendig sind um eine zusätzliche Belastung des Ökosystems zu minimieren
  4. Bei Produkten die ohne Rezept erworben werden auf den Nachhaltigkeitsaspekt hinweisen
  5. Verfallene Medikamente umweltgerecht entsorgen.

5 Individuelle Gesundheitsvorteile durch nachhaltiges Reisen (Co-Benefits):

Das nachhaltige Reisen hat für Reisende vielfältige positive Auswirkungen, im Folgenden werden einige Beispiele vorgestellt [50-53].

Bei der physischen Gesundheit betrifft dies die folgenden Punkte:

  1. Reduktion der Unfallgefahr bei weniger einzelnen Reisen versus längerem Verweilen an einem Ort und bei Verwendung nachhaltiger Verkehrsmittel (Zug und/oder Fahrrad versus Auto).
  1. Die geringere gesundheitliche Belastung durch Vermeidung von Jet Lag und Klimabelastung, vor allem Herz-Kreislaufbelastung in feucht-warmen tropischen Klimazonen.
  1. Die Verbesserung der körperlichen Fitness durch Verwendung von nachhaltigen Verkehrsmitteln auf dem Weg zum Reiseziel bzw. vor Ort (z.B. Fahrrad, zum Bahnhof zu Fuß gehen).
  1. Das deutlich verminderte Risiko für das Auftreten von Durchfallerkrankungen und fieberhaften Tropenkrankheiten, insbesondere der Malaria, durch Vermeiden bzw. Reduzieren von Fern-/Tropenreisen. Damit Einsparung von Medikamenten, Insektensprays und Medikamentennebenwirkungen (z.B. keine Malariaprophylaxe notwendig, weniger Müll, weniger Schadstoffe beim Abwaschen im Wasser).
  1. Diabetiker können bei Verzicht auf Zeitzonenveränderung, die die Verschiebung von Essenszeiten und Veränderung der Nahrungsmittelzusammensetzung zur Folge haben (z.B. weniger kalorienreiche Kost in Asien) das Reisen entspannter genießen. Die Anpassung der Diabetestherapie und die Gefahr der Unter- oder Überzuckerung fallen dann weg. Herz-Kreislaufpatienten (z.B. Patienten mit Zustand nach Herzinfarkt, medikamentös behandelter Herzinsuffizienz) riskieren in feucht-warmen Klima eine Zunahme von Symptomen (Herzrhythmusstörungen, Wassereinlagerung in den Beinen und der Lunge, Atemnot) bis hin zur Dekompensation einer Herzschwäche. Das Reisen in gemäßigten Klimazonen schont dagegen ihre eigene Gesundheit in hohem Masse und erhöht den Erholungswert.
  1. Wird keine Fernreise in tropische/subtropische Weltregionen mit niedrigem Hygienestandard unternommen, werden in der Regel keine oder nur wenige “Reiseimpfungen” notwendig; die Reisenden profitieren von kürzeren Vorbereitungszeiten und dem Wegfall von möglichen Nebenwirkungen oder Impfreaktionen.
  1. Auf Reisen in südlichere Gefilde besteht aufgrund der Sonnenexposition die Notwendigkeit Hautschutz anzuwenden um das individuelle Risiko für Hautkrankheiten zu reduzieren. Zu beachten ist das Sonnenschutzmittel und deren Bestandteile über die Haut aufgenommen werden können, sowie Reste beim Duschen und Baden in die Umwelt gelangen, so dass auf der einen Seite Sonnenschutzmittel schützen aber auch belastend sein können.

Bei der psychischen Gesundheit ergeben sich durch das nachhaltige Reisen die folgenden individuellen Vorteile:

  1. Weniger Belastung durch lange Anreisen, Jet-Lag und damit möglicherweise verbundenem psychischem Unwohlsein und Schlafstörungen bei Verzicht auf Fernreisen in östliche oder westliche Richtung.
  1. Ein intensiveres Reiseerleben durch längere Reisedauer und längeren Aufenthalt an einem Ort. 
  1. Intensivierung von sozialen Kontakten mit einheimischer Bevölkerung und damit größere Chancen auf besseres Verständnis fremder Kulturen und einen Kulturaustausch und daraus resultierend ein wertvolleres Erleben des Aufenthaltes. 

6 Zusammenfassung

Viele der oben erwähnten Faktoren sind Erkenntnisse, die erst seit einigen Jahren bekannt sind. Diese sollen nicht dazu führen das Reisen zu unterbinden, sondern dazu aufrufen, dass unter Beachtung der Umwelt bewusst gereist wird und Entscheidungen informiert getroffen werden – das zeichnet nachhaltiges Reisen aus! Reisen hat nicht nur für den Reisenden Bedeutung: ein ganzes Netzwerk an Folgen einer jeden Reise, positiv wie negativ, entsteht.

7 Information

Diese Informationen wurden durch die Arbeitsgruppe DTG – Klima zusammengetragen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir freuen uns über Ergänzungen und weitere Anregungen zu diesem Thema und auch auf weitere Mitarbeiter in unserer Arbeitsgruppe; bei Anregungen oder Fragen freuen wir uns über Nachricht an „ dtg-klima@bnitm.de “.

Wir befürworten die Dissemination unserer Zusammenstellung und bitten bei der Verwendung auf die DTG hinzuweisen.

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